Umfrage
Neue Attestpflicht könnte unerwünschten Effekt haben
27.08.2026 – 07:50 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Bundesregierung will die Zahl der Krankentage senken. Die geplanten Maßnahmen stoßen jedoch auf wenig Gegenliebe und könnten sogar das Gegenteil bewirken.
Die Bundesregierung will die Zahl der Krankentage senken. Künftig sollen Arbeitgeber ab dem ersten Tag ein Attest von ihren Angestellten verlangen können. Doch diese Maßnahme könnte die Zahl der Krankentage eher nach oben treiben, wie eine aktuelle Umfrage des Sozialverbands VdK unter 2.341 Personen zeigt.
Mehr als ein Fünftel der Befragten (21 Prozent) gab an, sich aufgrund der Neuregelung vorsorglich länger krankschreiben zu lassen, um einen erneuten Arzttermin zu vermeiden. Nur 14 Prozent wollen künftig auch eher krank zur Arbeit gehen, um sich den Arztbesuch zu sparen. Die Mehrheit (60 Prozent) erklärte, an ihrem Verhalten nichts ändern zu wollen.
„Das wäre das genaue Gegenteil dessen, was die Reform angeblich erreichen soll, und schadet am Ende allen: den Beschäftigten, den Betrieben und den ohnehin überlasteten Arztpraxen“, kommentierte VdK-Präsidentin Verena Bentele das Umfrageergebnis.
Die meisten Arbeitnehmer sind ehrlich
Laut VdK widerlege die Umfrage zudem, dass sich viele Beschäftigte krankmelden, obwohl sie gesund sind. So gaben knapp drei Viertel der Befragten (73 Prozent) an, sich nur dann krankgemeldet zu haben, wenn sie tatsächlich arbeitsunfähig waren. Rund 21 Prozent erklärten, sich in der Vergangenheit schon krankgemeldet zu haben, wenn sie sich nicht gut fühlten, jedoch nicht vollständig arbeitsunfähig waren. Nur drei Prozent gestanden, sich trotz bester Gesundheit schon einmal krankgemeldet zu haben.
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Neben der Krankmeldung ab dem ersten Tag hat sich die Bundesregierung auch auf die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung geeinigt. Ein Schritt, der von der Mehrheit der Befragten abgelehnt wird. 61 Prozent sprachen sich gegen die Abschaffung aus, lediglich 29 Prozent befürworten diese. Eine Statistik des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zeigt, dass die telefonische Krankschreibung zahlenmäßig nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ihr Anteil bei den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen liegt bei rund einem Prozent.
DAK-versicherte Beschäftigte im Schnitt 19,5 Tage im Jahr krank
Zahlen der Krankenkasse DAK-Gesundheit für das Jahr 2025 zeigen einen Krankenstand von 5,4 Prozent. Das bedeutet: Von 1.000 Arbeitnehmern waren im Schnitt pro Tag 54 krankgeschrieben. Durchschnittlich waren Beschäftigte 19,5 Kalendertage krankgeschrieben. Diesen hohen Krankenstand will die Bundesregierung senken. Man könne sich diesen Wettbewerbsnachteil nicht mehr leisten, begründete Bundeskanzler Friedrich Merz die Entscheidung, die den Unternehmen mehr Planbarkeit verschaffen soll.
Aktuelle Zahlen der DAK-Gesundheit für das erste Halbjahr zeigen einen leichten Rückgang des Gesamtkrankenstands auf 5,3 Prozent – die Zahlen beziehen sich allerdings nur auf die untersuchten 2,2 Millionen Versicherten der Krankenkasse. Während Krankschreibungen aufgrund von Atemwegserkrankungen um 21 Prozent zurückgingen, stieg die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen um neun Prozent. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Erkrankungsdauer von 9,5 auf 9,7 Tage.










