Organisation unterstützt Schulen
Millionen Ausfallstunden – diese Menschen füllen sie mit Leben
10.10.2026 – 08:01 UhrLesedauer: 4 Min.

Grammatik, Algebra, Genetik – Schüler lernen eine Menge. Nur nicht das, was sie nach dem Abschluss als Erstes brauchen. Eine Organisation hat 25.000 Menschen gefunden, die diese Lücke füllen.
Rund eine Million Ausfallstunden entstehen pro Woche an deutschen Schulen. Eine Million Stunden, in denen Kinder und Jugendliche Aufgabenblätter abarbeiten, im Flur sitzen oder nach Hause geschickt werden. Wie schön wäre es, wenn in dieser Zeit Lektionen fürs Leben stattfinden würden. Ganz praktische Dinge: Wie kündige ich meinen Handyvertrag? Wie flicke ich meinen Fahrradreifen? Was genau macht eigentlich ein Schreiner?
Eine deutsche Organisation hat sich genau das zur Aufgabe gemacht. Sie heißt LifeTeachUs (zu Deutsch: Was das Leben uns lehrt), sitzt in Berlin – und sie ist aus einem Gefühl entstanden, das viele kennen, aber kaum einer in eine Idee verwandelt.
„Moment, das ist ja ein Leerlauf“
Gründer Ludwig Thiede saß vor über zehn Jahren selbst noch in einem solchen Klassenzimmer. An einer Gesamtschule, kurz vor dem Abschluss. „Ich saß am Ende meiner eigenen Schulzeit da – und richtig aufs Leben vorbereitet gefühlt habe ich mich nicht“, erzählt er t-online. „Und das, obwohl die Schule eigentlich die Aufgabe hat, umfangreicher aufs Leben vorzubereiten.“
Ideen konnte Thiede reichlich ausbrüten. „Ich hatte genügend Zeit, darüber nachzudenken – weil der Unterricht mal wieder ausgefallen war.“ Und dann kam der Gedanke, aus dem später eine bundesweite Bildungsorganisation werden sollte. Thiede erzählt: „Ich dachte, Moment, das ist ja ein Leerlauf, den wir hier in der Schule haben. Wie wäre es, wenn man anfängt, diese Zeit sinnvoll zu nutzen und Menschen aus dem echten Leben in die Schule zu bringen. Menschen, die abseits vom Lehrplan ganz viele unterschiedliche Themen in den Schulalltag bringen.“

Wie wird man Lebenslehrer?
Wer sein Wissen weitergeben möchte, lädt die LifeTeachUs-App herunter oder geht hier online. Man durchläuft Onboarding und Workshop und reicht Führungszeugnis und Thema ein. Eine Aufwandsentschädigung gibt es nicht – dafür eine offizielle Ehrenamtsbescheinigung. Schulen, die mitmachen wollen, melden sich unverbindlich über die Website an.
Thiede wollte das nie als Projekt an einer einzelnen Schule etablieren. „Mir war damals schon klar: Wenn ich das umsetzen möchte, dann soll das nicht nur an einer Schule funktionieren, sondern an vielen. Man braucht also eine Plattform.“ Also baute er eine.
Bedarf kann von der Schule über eine App gemeldet werden
Das Prinzip ist bestechend einfach. Lehrkräfte an Partnerschulen melden ihren Bedarf per App – manchmal Wochen im Voraus für eine Projektwoche, manchmal wenige Stunden vorher, wenn eine Kollegin oder ein Kollege krank werden. Die Anfrage geht in Echtzeit an passende Ehrenamtliche in der Umgebung. Wer Zeit und Lust hat, nimmt an, fährt in die Schule oder wird per Videoanruf in die Klasse geschaltet. 45 Minuten echtes Lebenswissen. Und für Schulen ist es kostenlos. Die gemeinnützige Organisation finanziert sich über Spenden und Förderungen.
Die Lebenslehrer von LifeTeachUs sind aber nicht nur als Lückenfüller gedacht. „Die Kernidee ist wirklich diese Lebensvorbereitung in Schulen“, betont Thiede. „Wir können auch ergänzend zum Fachunterricht oder an Projekttagen dazugeholt werden. Wir geben als Organisation gar nicht vor, für wann man uns abrufen sollte. Im Gegenteil. Wir planen mit Schulen gerne gemeinsam unsere Unterstützung.“












