Uschi Obermaier wird 80
Für den „König der Reeperbahn“ ließ sie die Rolling Stones ziehen
18.09.2026 – 10:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Uschi Obermaier war das Gesicht der sexuellen Revolution. Das rastlose Leben mit bekannten Rockstars tauschte sie gegen einen Hamburger Kiezwirt – und eine Reise, die tragisch endete.
Es war wohl die größte Entscheidung in ihrem Leben: Auf der einen Seite standen Mick Jagger und Keith Richards, Luxushotels und das Leben im Tross der Rolling Stones. Auf der anderen ein umgebauter Kleinbus und Dieter Bockhorn, Nachtklubbesitzer aus Hamburg. Uschi Obermaier entschied sich gegen das Leben im Luxus und für den Mann vom Kiez. Es wurde die längste und wohl folgenreichste Beziehung ihres wilden Lebens.
Am 24. September wird Obermaier 80 Jahre alt. Berühmt wurde die gebürtige Münchnerin Ende der 1960er-Jahre: als Fotomodell, zeitweilige Bewohnerin der Berliner Kommune 1 und Partnerin von Rainer Langhans. Ihre dunklen Locken, der Schmollmund und ihre demonstrative Lust am eigenen Körper machten sie zum Gesicht einer Generation, die mit Spießigkeit der Nachkriegszeit brechen wollte.
Sie liebte weltbekannte Rock-Stars
Obermaier arbeitete mit bekannten Fotografen, drehte Filme und bewegte sich im Umfeld der größten Rockstars. Affären mit Jimi Hendrix, Mick Jagger und Keith Richards gehören zu ihrer Biografie. Doch während die Öffentlichkeit vor allem auf die berühmten Männer blickte, beharrte Obermaier auf ihrer eigenen Freiheit. „Mein Schmollmund allein war schon eine Provokation“, sagte sie später dem „Standard“. Schon ein Minirock habe damals als Rebellion gegolten.
Der „Prinz von St. Pauli“
1973 trat Dieter Bockhorn in ihr Leben. Der 1938 geborene Stuttgarter hatte in Hamburg zunächst als Kellner gearbeitet und anschließend Nachtlokale auf der Reeperbahn betrieben. Zu seinen Geschäften gehörten das „L’Amour“ und das „Baby Doll“. Der erfolgreiche Kneipier wurde als „Prinz von St. Pauli“ oder „König der Reeperbahn“ bekannt.
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Später verlagerte Bockhorn seinen Lebensmittelpunkt vom Kiez nach Eimsbüttel. Am Weidenstieg betrieb er das Galerie-Café Adler, einen Treffpunkt, an dem Alternativszene, Künstler, Prominente und Rotlichtmilieu aufeinandertrafen. Das Lokal war Kneipe, Galerie und provokante Bühne zugleich. Nach wiederholten Drogenfunden wurde es 1979 von den Behörden geschlossen.
Kiez-Größe statt Rocker-Leben
Bockhorn soll Obermaier zunächst auf Fotos gesehen und beschlossen haben, sie kennenzulernen. Aus der Begegnung wurde eine mehr als zehn Jahre dauernde Partnerschaft. Für ihn ließ sie auch den Rockzirkus hinter sich. Die Tourneen mit den Stones seien aufregend gewesen, erzählte sie später. Doch irgendwann habe sie das Leben in einer abgeschlossenen Blase bedrückt. Nachts wurde gefeiert, tagsüber geschlafen, von den bereisten Ländern bekam sie wenig mit. Also traf sie eine Entscheidung: „Ich wollte das Leben auskosten. Mit Bockhorn konnte ich das tun, bei Bockhorn stand ich an erster Stelle“, sagte Obermaier 2013 dem „Standard“.












