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Home » Senat schickt Schulen einseitiges Material
Deutschland

Senat schickt Schulen einseitiges Material

By zeit-heute.deMärz 28, 20263 Mins Read
Senat schickt Schulen einseitiges Material
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Senatsmaterial löst Kritik aus

Werden Schüler bei der Olympia-Frage einseitig informiert?

28.03.2026 – 09:12 UhrLesedauer: 2 Min.

Vergrößern des Bildes

Kinder im Klassenzimmer (Symbolbild): Die Innenbehörde hat Hamburgs Schulen mit Unterrichtsmaterialien für Olympische Spiele in der Hansestadt versorgt. (Quelle: Marijan Murat/dpa)

Vor dem Referendum am 31. Mai bekommen Hamburger Schulen Unterrichtsmaterial – mit Quellen ausschließlich von der Olympia-Bewerbungsseite. NOlympia ist erzürnt.

Die Hamburger Innenbehörde hat Anfang März Unterrichtsmaterialien zur Olympia-Bewerbung an Schulen verschickt – gestaltet im Design der Olympia-Bewerbung, mit Quellenverweisen ausschließlich auf Pro-Olympia-Seiten.

Das Material richtete sich an die Klassen 8 bis 13. Für die Klassen 8 bis 10 lautete eine Aufgabe: „Wie würde ich abstimmen? Argumente recherchieren, gewichten und das Referendum nachspielen.“ Als Recherchegrundlage verwies das Material allein auf die Olympia-Homepage der Innenbehörde und eine Tagesschau-Bilanz der Sommerspiele 2024 in Paris. Quellen der Olympia-Gegner fehlten.

NOlympia-Sprecher Eckart Maudrich wirft dem Senat vor, damit gegen den Beutelsbacher Konsens zu verstoßen – den in Deutschland geltenden Standard für politische Neutralität im Unterricht. Er sagt: „Zu einem Zeitpunkt, wo die Regierungsparteien sich über die vermeintlichen Fesseln des Neutralitätsgebots bei Volksentscheiden mokieren, ist es erstaunlich wie unreflektiert die Schulbehörde der Hamburger Olympiawerbeabteilung direkten Zugang zu den Lehrkräften ermöglicht.“ Die Materialien hätten eine deutliche „Quellenunwucht zugunsten der Olympiawerbeabteilung“.

Der Beutelsbacher Konsens schreibt vor, dass politisch kontroverse Themen auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden müssen. Lehrkräfte dürfen Schülern keine vorgefertigte Meinung aufzwingen, sondern sollen sie zur eigenständigen Urteilsbildung befähigen.

Die Schulbehörde weist den Vorwurf zurück. Ein Behördensprecher sagt: „Aus Sicht der Bildungsbehörde werden die Grundsätze des Beutelsbacher Konsenses eingehalten. Auf Grundlage der vorliegenden Materialien und Quellen sowie eigener Recherche können und sollen sich Schüler zu einem eigenen Urteil gelangen.“ Das Material sei vom Amt für Bildung geprüft und als weitergabefähig eingeschätzt worden.

Das Fehlen von NOlympia-Quellen begründet die Schulbehörde damit, dass der Senat die Unterschriftensammlung zum Zeitpunkt des Materialversands noch nicht formell bestätigt habe. NOlympia hatte nach eigenen Angaben bereits am 21. Februar 19.423 Unterschriften an den Landeswahlleiter übergeben – fast doppelt so viele wie nötig. Die formelle Bestätigung durch den Senat erfolgte laut der Nachrichtenagentur dpa erst am 17. März.

Ob NOlympia nun ebenfalls Materialien an Schulen verteilen darf, kläre die Schulbehörde derzeit mit der Innenbehörde, sagt deren Sprecher.

Beim Referendum 2015 hatten viele Hamburger Schulen eine Diskussionstour mit Abgeordneten aller Fraktionen und NOlympia-Vertretern angeboten. Damals entschieden die Olympia-Gegner das Referendum für sich. Einen entsprechenden Antrag der Linken für eine ähnliche Tour lehnte der Sportausschuss der Bürgerschaft diesmal mit den Stimmen von SPD, Grünen und CDU ab.

Stattdessen plant die Bürgerschaftskanzlei laut Schulbehörde für den 28. April eine Diskussionsrunde im Rathaus – mit Vertreterinnen und Vertretern aller Fraktionen, Parlamentspräsidentin Carola Veit und Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD), die per Livestream übertragen wird. Die Veranstaltung richte sich an Schüler ab Klasse zehn, sagt der Sprecher der Schulbehörde. Persönlich ins Rathaus eingeladen würden rund 90 von ihnen – bei fast 271.000 Schülern in Hamburg insgesamt.

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