Studie überrascht
Bei diesen Menschen steigt nach einem Infekt das Schlaganfallrisiko
24.04.2026 – 15:08 UhrLesedauer: 2 Min.
Nach einer Infektion ist bei Erwachsenen einer bestimmten Altersgruppe das Risiko für Schlaganfälle deutlich erhöht. Was die Studie zeigt.
Auch scheinbar harmlose Infektionen können mitunter schwerwiegendere Folgen haben als gedacht: Forscher sehen Hinweise, dass sie bei unter 50-Jährigen einen Schlaganfall begünstigen könnten. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Fachmagazin „Stroke“.
Erhöhtes Risiko kurz nach Infektion
Ein Forschungsteam untersuchte 537 Patientinnen und Patienten im Alter von 18 bis 49 Jahren, die erstmals einen sogenannten kryptogenen ischämischen Schlaganfall erlitten hatten. Bei einem ischämischen Schlaganfall kommt es zu einer plötzlichen Minderdurchblutung des Gehirns, meist durch ein Blutgerinnsel. Dies führt zum Absterben von Hirngewebe. „Kryptogen“ bedeutet, dass die Ursache des Schlaganfalls unklar ist.
Gut zu wissen
Etwa 85 Prozent aller Schlaganfälle entstehen durch Blutgerinnsel im Gehirn, circa 15 Prozent durch Hirnblutungen. Zu den häufigsten Anzeichen eines Schlaganfalls zählen Sehstörungen, Sprachstörungen, Lähmungen und Taubheitsgefühle, Schwindel mit Gangunsicherheit sowie sehr starke Kopfschmerzen.
Die Forscher verglichen diese Gruppe mit gesunden Personen. Dabei fiel auf: Infektionen in den drei Monaten vor dem Ereignis spielten keine große Rolle. Anders sah es jedoch bei Infektionen in der Woche vor dem Schlaganfall aus.
In dieser kurzen Zeitspanne traten bei den Betroffenen deutlich häufiger Infekte auf. Das Risiko für einen Schlaganfall lag dann um das 2,6-fache höher – selbst wenn andere Risikofaktoren wie Alter oder Vorerkrankungen berücksichtigt wurden.
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Entzündung und Blutgerinnung als mögliche Ursache
Die Wissenschaftler fanden auch Hinweise darauf, was dabei im Körper passiert. Bestimmte Blutwerte waren bei den Erkrankten erhöht. Dazu gehörte der Von-Willebrand-Faktor (vWF) und der Faktor VIII (Faktor 8). Beide spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung – also dem Prozess, der dazu führt, dass Blut verklumpt, um Wunden zu schließen. Auch das C-reaktive Protein (CRP-Wert) stieg an. Dieses Bluteiweiß bildet der Körper bei Entzündungen.
Diese Veränderungen deuten darauf hin, dass ein kürzlich zurückliegender Infekt sogenannte thrombo-inflammatorische Reaktionen auslöst, bei denen in den Blutgefäßen Abläufe des Gerinnungssystems und des Immunsystems ineinandergreifen. Dadurch steigt das Risiko, dass ein Blutgerinnsel entsteht und Gefäße verstopft.
Reaktion scheint nur vorübergehend zu sein
Besonders deutlich zeigten sich diese Effekte bei akuten Infekten, die nicht die Atemwege betrafen, wie Infektionen der Harnwege oder des Magen-Darm-Trakts. Drei Monate nach dem Schlaganfall normalisierten sich die Blutwerte wieder. Das spricht dafür, dass Infekte eher kurzfristig als Auslöser wirken.
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Die Forscher vermuten daher, dass der Körper bei manchen Erwachsenen besonders empfindlich auf die Entzündungsreize bei einem Infekt reagiert und vorübergehend Immun- und Gerinnungsprozesse verstärkt. Das wiederum könnte einen Schlaganfall begünstigen.
Was bedeuten die Ergebnisse?
Die Studie zeigt nur einen Zusammenhang auf, sie beweist keine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung. Das heißt, ein Infekt führt nicht automatisch zu einem Schlaganfall. Dennoch stärkt sie die Annahme, dass Infektionen ein kurzfristiger Auslöser für Schlaganfälle bei unter 50-Jährigen sein können. Blutwerte wie der Von-Willebrand-Faktor und Faktor VIII könnten womöglich potenzielle Marker sein, um gefährdete Personen mit einem infektionsbedingten Schlaganfallrisiko frühzeitig zu erkennen.












