Reform der Alterssicherung
Rentenalter soll steigen – Stabile Renten für Jüngere
Aktualisiert am 21.06.2026 – 17:18 UhrLesedauer: 4 Min.
Später in Rente, mehr zahlen und erstmals Politiker in der Rentenkasse: Was die Kommission für Arbeitnehmer und Beitragszahler vorschlägt – und warum Kritiker Alarm schlagen.
Die geplante Reform der Alterssicherung mit einem höheren Rentenalter soll die Rente auch in den nächsten Jahren für junge Leute sicher machen. Das kündigte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) bei einem Bürgerdialog in Berlin an. Die 30 Empfehlungen der Rentenkommission seien ein „Gesamtkunstwerk“. Entstehen solle ein neues System, tragfähig für alle Generationen. An diesem Dienstag will die Regierungskommission ihren Vorschlag offiziell an Bas und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) übergeben.
Eine letzte von rund 150 Sitzungen des 13-köpfigen Gremiums soll am Montag nach fünfeinhalb Monaten Beratungszeit noch letzten redaktionellen Bearbeitungen dienen, wie es aus Kommissionskreisen hieß. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur und anderer Medien will das Gremium weitreichende Änderungen vorschlagen. Das Rentenalter soll bis 2051 auf 68 steigen, die sogenannte „Rente mit 63“ soll abgeschafft werden. Eine beitragsfinanzierte Kapitalsäule soll in Zukunft höhere Renten für heute Jüngere möglich machen als nach heutigem Recht. Selbstständige und Politiker sollen in die gesetzliche Rente aufgenommen werden.
Rentenalter soll in Schritten steigen
Ein zentrales Ziel laut Bas: „Wie können wir die Rentenversicherung für alle Generationen bezahlbar halten?“ Ansonsten würden die Beiträge in den nächsten Jahren enorm steigen, weil die Babyboomer in Rente gingen.
Das Rentenalter soll mit der Lebenserwartung steigen. Nach den Berechnungen der Kommission könnten Beschäftige 2041 dann erst mit 67,5 Jahren in Rente gehen – und nach einem Jahrzehnt ein halbes Jahr später. Die Berechnung soll regelmäßig überprüft werden. Um den Wegfall des früheren Renteneintritts ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren abzufedern, sind laut Bas Vertrauensschutz und Übergangsfristen geplant. Welche Jahrgänge betroffen sein sollen, werde noch geprüft.
Erste Reaktionen: „Zu vorsichtig“, „an der Lebenswirklichkeit vorbei“
Die Linken-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek wies die Vorschläge als „Schlag in die Magengrube“ zurück. Es werde mehr Druck auf die Menschen gemacht, sagte sie dem Portal „web.de“. Der Sozialverband Deutschland kritisierte die geplante Kapitalsäule, weil solche Erträge nicht kalkulierbar seien. Verdi-Chef Frank Werneke bemängelte, trotz mancher guten Vorschläge gingen die Pläne der Kommission im Kern an der Lebenswirklichkeit arbeitender Menschen vorbei. „In sehr vielen Berufen sind die körperlichen und psychischen Belastungen so hoch, dass schon ein Renteneintrittsalter mit 67 Jahren für viele Menschen unerreichbar ist.“
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sagte der „Rheinischen Post“: „Die Reformvorschläge der Rentenkommission gehen in die richtige Richtung, bleiben jedoch insgesamt zu vorsichtig.“ Fratzscher sieht aber „viele kluge und richtige Elemente“.
Neue Kapitalsäule
Künftig soll laut den Vorschlägen ein Teil der Rentenbeiträge am Aktienmarkt angelegt werden. Konkret sollen in diese beitragsfinanzierte Kapitalsäule später zwei Prozent vom Bruttolohn fließen, aufwachsend von anfangs 0,5 Prozent. Davon soll je die Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern kommen.










