27.000 Euro Unterschied
Was ein kleines Detail bei der Rente ausmacht
Aktualisiert am 03.05.2026 – 10:13 UhrLesedauer: 5 Min.

Schweden gilt als Vorbild bei der Altersvorsorge. Ein Blick auf die sogenannte Prämienrente zeigt, was Deutschland daraus lernen könnte.
Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre standen Deutschland und Schweden vor dem gleichen Problem: Die Rentensysteme galten als zu teuer und nicht ausreichend auf den demografischen Wandel vorbereitet. Beide Länder reagierten und reformierten ihre Altersvorsorge fast gleichzeitig.
Schweden verabschiedete im Jahr 1998 die sogenannte Prämienrente. Deutschland zog 2001 mit der Riester-Rente nach. Ziel war es in beiden Fällen, mehr Kapitaldeckung ins System zu bringen und die gesetzliche Rente zu entlasten.
Heute, gut zwei Jahrzehnte später, fällt die Bilanz unterschiedlich aus: Während Schweden international als Vorbild gilt, steckt die private Altersvorsorge in Deutschland seit Jahren in der Krise.
Deutschland hat sich neu entschieden
Das soll sich nun ändern: Die Bundesregierung ist dabei, die private Altersvorsorge grundlegend umzubauen. Der Bundestag hat bereits eine Reform beschlossen, die das Riester-System ablösen soll. Der Bundesrat muss noch zustimmen, doch die Richtung ist klar: Die neue Vorsorge soll einfacher, günstiger und renditestärker werden.
Kernstück ist ein neues Altersvorsorgedepot, in dem Sparer ihr Geld breit gestreut am Kapitalmarkt anlegen können. Garantien sind nicht mehr verpflichtend. Das erhöht die Renditechancen, bringt aber auch mehr Schwankungen.
Zusätzlich soll jeder Anbieter ein Standardprodukt im Sortiment haben. Dieses ist vor allem für Einsteiger gedacht, die sich nicht zutrauen, selbst ein Depot mit Fonds oder ETFs zu bestücken. Das Standardprodukt soll eine Mischung aus sicheren und chancenorientierten Anlagen beinhalten und darf maximal ein Prozent Kosten pro Jahr verursachen.
Neu ist auch: Es soll nicht nur von privaten Anbietern wie Banken, Neobrokern und Versicherungen angeboten werden können, sondern auch von einem öffentlich-rechtlichen Träger. Wer genau das Geld anlegt und wo Bürger dieses Depot eröffnen können, ist allerdings noch offen.
Was Schweden grundsätzlich anders macht
Doch auch wenn Deutschland mit der Riester-Reform nun einen Schritt auf das schwedische System zugeht, zeigt ein genauer Blick: Die Systeme unterscheiden sich weiterhin deutlich. So ist die kapitalgedeckte Vorsorge in Schweden kein freiwilliger Zusatz, sondern Teil der gesetzlichen Rente. Alle Erwerbstätigen zahlen verpflichtend ein.
Das System besteht aus zwei Bausteinen: einer umlagefinanzierten Einkommensrente und der kapitalgedeckten Prämienrente. Zusammen machen sie 18,5 Prozent des Einkommens aus – 2,5 Prozent davon fließen direkt in die Kapitalanlage.
Damit diese 2,5 Prozent vom Rentenbeitrag für die umlagefinanzierte Rente abgezwackt werden konnten, ohne dass gleichzeitig der Beitragssatz steigen musste, lagerte Schweden zwei Leistungen aus der gesetzlichen Rente aus: Die Absicherung des Erwerbsminderungsrisikos und die Hinterbliebenenrenten wurden ab Ende der 90er-Jahre steuerfinanziert.
Die Fehler der Riester-Rente
In Deutschland behielt man diese Aufgaben mit der Einführung von Riester in der gesetzlichen Rentenversicherung und überließ es allein den Bürgern, eine zusätzliche private Altersvorsorge aufzubauen. Vorgesehen war, dass jeder gesetzlich Rentenversicherte vier Prozent seines Bruttoeinkommens in die Riester-Rente steckt, um die damals ebenfalls beschlossene Absenkung des Rentenniveaus aufzufangen. Die Riester-Rente sollte die Verluste in der gesetzlichen Rente also eigentlich komplett wettmachen. Das hat jedoch nicht funktioniert.












