Dieter Reiter ist nicht irgendein grantelnder Stammtischredner. Er ist das Gesicht der Stadt. Und als solches muss er die selbst aufgestellten Grundsätze auch leben.
Ein solches Wort rutscht einem Oberbürgermeister nicht einfach raus. Schon gar nicht in München. Schon gar nicht im Stadtrat. Und schon gar nicht im Jahr 2026. Es ist trotzdem passiert. Dieter Reiter hat in einer Vollversammlung einen früher gebräuchlichen, rassistischen Begriff für Schwarze verwendet und damit nicht nur sich, sondern die ganze Stadt beschädigt. Deshalb sollte er nun schleunigst mehr tun, als den Fall nur zu bedauern.
Reiter sagt, das Wort sei ihm „als Zitat“ rausgerutscht. Genau das ist das Problem. Wer Oberbürgermeister von München ist, wer eine Vollversammlung leitet, wer dauernd von Haltung, Respekt und Zusammenhalt redet, der darf bei so einem Begriff nicht auf Autopilot schalten. Nicht im Wirtshaus. Nicht im kleinen Kreis. Und erst recht nicht im Stadtrat.
Man kann Reiter abnehmen, dass er niemanden bewusst beleidigen wollte. Man kann auch glauben, dass da tatsächlich ein altes Fredl-Fesl-Zitat aus irgendeiner inneren Schublade hochkam. Aber auch das ist keine Entlastung, sondern eher die nächste schlechte Nachricht.
Denn es zeigt, wie locker solche Begriffe bei manchen immer noch mitlaufen. Als „Tradition“. Als Spruch von früher. Als vermeintlich harmlose Gewohnheit. Nur: Harmlos ist daran nichts. Ein rassistischer Begriff wird nicht dadurch besser, dass er zitiert wird. Er bleibt ein rassistischer Begriff. Punkt.
Wir befinden uns schließlich nicht mehr in den 1950er-Jahren. Der Münchner Stadtrat selbst hat erst 2022 mit dem Beschluss „N-Wort ächten“ klargemacht, dass die Verwendung dieses Begriffs rassistisch ist und abzulehnen bleibt. Das heißt: Die Linie ist in dieser Stadt politisch längst gezogen. Gerade der Oberbürgermeister hätte sie also kennen, ernst nehmen und verinnerlichen müssen.
Natürlich ist auch die Empörungsmaschine im Netz schnell angelaufen. Dort wird aus einem Vorfall in Minuten ein endgültiges Urteil über den ganzen Menschen. Das ist oft billig. Nicht jeder, der so ein Wort sagt, ist damit automatisch ein ideologischer Rassist. Aber genauso billig ist seine Entschuldigung: War doch nur ein Zitat, war doch nicht so gemeint, stellt euch nicht so an. Diese Ausrede ist verbraucht. Wer Verantwortung trägt, wird nicht an Absichten gemessen, sondern an Wirkung.
Für Reiter kommt das alles zur Unzeit. Kurz vor der Kommunalwahl steht er ohnehin unter Druck wegen seiner Posten beim FC Bayern. Umso mehr hätte er wissen müssen, dass in diesen Tagen jeder Satz zählt. Aber das macht die Sache nicht schlimmer, weil Wahlkampf ist. Es macht sie schlimmer, weil man bei einem erfahrenen Oberbürgermeister erwarten darf, dass er seine Sprache im Griff hat.
Reiters Entschuldigung war Pflicht. Jetzt braucht es mehr als ein bedauerndes Statement. Er sollte aufhören, sich hinter einem Fesl-Zitat zu verstecken, sondern Haltung zeigen. Wer diese Stadt führen will, muss zeigen, dass er dazulernt. Sonst ist er irgendwann nicht mehr Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.












