Polizeigewalt in Italien
Mehrere Tausend protestieren – dann fliegen Molotow-Cocktails
Aktualisiert am 21.07.2026 – 03:32 UhrLesedauer: 2 Min.
In Bologna stirbt ein Marokkaner, während ihn zwei Polizeibeamte auf den Boden drücken. Der Fall löst einen Aufschrei in Italien aus.
In Italien ist es nach dem Tod eines Einwanderers aus Marokko bei einem Polizeieinsatz in mehreren Städten zu Protesten und Krawallen gekommen. In der Universitätsstadt Bologna, wo der 42-Jährige am Sonntag starb, versammelten sich mehrere Tausend Menschen in der Innenstadt. Auf Plakaten waren Parolen wie „Wahrheit und Gerechtigkeit“ zu lesen. Sprecher der Familie forderten Aufklärung.
Im Anschluss an die zunächst friedliche Kundgebung warfen einige Teilnehmer nach Augenzeugenberichten Flaschen und Molotow-Cocktails auf die Polizei. Nach einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Ansa wurden auch die Fenstergitter von gepanzerten Polizeifahrzeugen abgerissen. Die Polizei habe daraufhin Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt.
Nach Angaben der Rettungsdienste wurden mindestens elf Menschen verletzt, sowohl Demonstranten als auch Polizisten. Der Anwalt der Familie des Getöteten verurteilte die Krawalle, verurteilten aber den Vorfall: „Sie haben meinen Bruder kaltblütig ermordet, ich will Gerechtigkeit“, sagte die Schwester des Getöteten vor Reportern am Sonntag in Bologna.

Fall sorgt in Italien für Schlagzeilen
Der Marokkaner, der seit seiner Kindheit in Italien lebte, war am Sonntag auf einer Straße in Bologna ums Leben gekommen. Auf einem Video ist zu sehen, wie er von zwei Polizisten auf den Boden gedrückt wird. Seine Hände sind auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt. Mehrfach ruft er: „Hilfe! Genug, genug!“ Die Beamten lassen jedoch erst nach mehreren Minuten von ihm ab, als er sich bereits nicht mehr bewegt. Ein Notarzt stellte dann seinen Tod fest.
Der Fall sorgt in Italien für viele Schlagzeilen, weil ein Fall von exzessiver Polizeigewalt vermutet wird. Er erinnert an die brutale Tötung des Afroamerikaners George Floyd, der 2020 in Minneapolis starb, als ein Polizist ihn zu Boden drückte.
Der Mann in Italien besaß zum Zeitpunkt seines Todes eine gültige Aufenthaltsgenehmigung, teilte eine Einwanderungsanwältin der „New York Times“ mit. Der Getötete betrieb der Nachrichtenagentur Reuters zufolge ein eigenes Reingungsgeschäft.
Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sicherte „völlige Transparenz“ bei der Aufklärung zu. Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion der Leiche. Zudem wurde die Körperkamera (Bodycam) von einem der beiden beteiligten Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch das Video, das von einem Nachbarn gedreht wurde, ist in deren Besitz.












