„Wir laufen seit zehn Jahren hinterher“
Nach WM-Aus: Philipp Lahm warnt den DFB
17.07.2026 – 22:15 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Weltmeister von 2014 äußert sich besorgt zur Situation beim Deutschen Fußball-Bund – und wird deutlich.
Für Philipp Lahm hat die Krise des deutschen Fußballs tiefere und langwierige Gründe. „Wir laufen seit zehn Jahren hinterher, weil wir uns nicht an die aktuellen Entwicklungen anpassen, stattdessen Sonderwege gehen, zuletzt mit dem Comeback der Manndeckung in der Bundesliga“, kritisierte der Weltmeister-Kapitän von 2014 in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Wenn wir das weiter tun, werden wir weiter scheitern.“
Neben der Trainer- und Talentausbildung im deutschen Fußball bemängelte der frühere Bayern-Profi auch eine fehlende Kontinuität, die alle Spitzenmannschaften auszeichnen würde. „Deutschland geht einen anderen Weg als der Rest der Welt und passt sich nicht daran an“, meinte der 42-Jährige.
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„Spieler werden häufig auf den unterschiedlichsten (falschen) Positionen eingesetzt, das System wird oft geändert.“ Es gebe zu viele Experimente, „das war immer meine Kritik an Julian Nagelsmann. Für mich zählen Klarheit und Ordnung“, schrieb Lahm. Ex-Bundestrainer Nagelsmann hatte wenige Tage nach dem Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay auf Drängen der Verbandsspitze seinen Rücktritt erklärt.
Kritik an Vereinen: „Verhindern Entwicklung“
Für den einstigen Weltklasse-Verteidiger hat Deutschland auch an Qualität an der Seitenlinie eingebüßt. „Was in Deutschland in den letzten Jahren bei den Trainerbesetzungen verloren gegangen ist: fußballerische Qualität, eigene Erfahrungen auf höchstem Level. Was fehlt, sind ehemalige Profispieler, die sich methodisch weiterbilden. Die sich Zeit nehmen, den Beruf von der Pike auf zu lernen, um über die Jahre Exzellenz zu erlangen“, schrieb Lahm.
Als Beispiele nannte er Frankreichs Coach Didier Deschamps, den Italiener Carlo Ancelotti (Brasilien) sowie die Spanier Mikel Arteta (FC Arsenal), Pep Guardiola (zuletzt Manchester City) und Xabi Alonso vom FC Chelsea. Führung fehle in dieser Hinsicht auch vom Verband, meinte Lahm: „Der DFB nennt seine Akademie einen Ort des Austauschs und der Diskussion und begreift sich nicht als Instanz, die eine Richtung vorgibt.“
Ihn irritiere zudem, dass deutsche Vereine „leider in erheblichem Umfang“ solide, aber nicht herausragende ausländische Spieler verpflichten würden. „Dieses Vorgehen ist ein einfacher Weg, das Niveau abzusichern. Aber es verhindert die Entwicklung, weil eigene Nachwuchsspieler keinen Platz finden“, bemängelte Lahm.












