Sechs Autos getestet
Notbremsassistenten versagen unter diesen Bedingungen
27.10.2026 – 09:37 UhrLesedauer: 2 Min.
Der ADAC hat Notbremsassistenten von sechs Fahrzeugen getestet. Dabei zeigten sich teils gefährliche Schwächen bei der Erkennung von Fußgängern und Kindern.
Sie sollen Leben schützen – doch offensichtlich hat der Schutz Grenzen: Der ADAC hat in einer Studie Sicherheitslücken bei Notbremsassistenten von Autos aufgedeckt. Die Systeme von sechs getesteten Fahrzeugen erkannten Fußgänger und Kinder unter bestimmten Umständen bei Dunkelheit nicht zuverlässig und konnten Kollisionen in diesen Fällen nicht verhindern.
Was Notbremsassistenten leisten sollen
Der Notbremsassistent überwacht mithilfe von Sensoren – Radar, Kamera oder Lidar – dauerhaft das Verkehrsgeschehen vor dem Fahrzeug. Erkennt das System eine drohende Kollision, warnt es zunächst den Fahrer optisch oder akustisch. Reagiert dieser nicht rechtzeitig, greift das System selbst in die Bremse ein. In besonders kritischen Situationen kann es das Fahrzeug auch ohne Zutun des Fahrers vollständig zum Stillstand bringen. Seit 2024 schreibt die EU den Notbremsassistenten für alle neu zugelassenen Fahrzeuge vor.
Hier versagten die elektronischen Helfer
Für die Studie testete der ADAC sechs Fahrzeuge: Mercedes CLA, Tesla Model Y, BYD Seal, Hyundai Tucson, Dacia Duster und Opel Astra. Zunächst ermittelte der ADAC für jedes Fahrzeug bei Dunkelheit eine individuelle Referenzgeschwindigkeit, bei der das System einen Unfall mit einem unbekleideten Dummy noch verhindern konnte. Auf dieser Basis wurden dann verschiedene Szenarien – unter anderem mit Warnkleidung – getestet.
Das Ergebnis fiel je nach Kleidungsart sehr unterschiedlich aus: Trug ein erwachsener Dummy eine handelsübliche Warnweste, erkannten alle sechs Fahrzeuge die Situation und verhinderten eine Kollision. Anders sah es bei genormter Arbeitsschutzkleidung aus, wie sie Bauarbeiter, Rettungskräfte oder die Polizei tragen. Hier erkannte fast kein Fahrzeug den Fußgänger rechtzeitig. Noch deutlicher war das Versagen bei einem Kind mit reflektierender Kleidung und Schulranzen: Nahezu jedes System reagierte nicht rechtzeitig. Ein Kind mit dunkler Kleidung hingegen erkannten alle Fahrzeuge.
Nur eine Ausnahme
Als einziges Fahrzeug im Test war der Mercedes CLA in der Lage, ein Kind mit reflektierender Kleidung zu erkennen, das hinter einem parkenden Auto auf die Straße lief. Der ADAC wertet dies als Beleg dafür, dass eine zuverlässige Erkennung grundsätzlich technisch möglich sei.
Da das Problem offenbar weniger in der Hardware als in der Einordnung von Verkehrsteilnehmern durch die Software liege, hält der ADAC Nachbesserungen per Softwareupdate in vielen Fällen für machbar. Der Verband fordert die Hersteller zu schnellen Korrekturen auf.
Fahrer bleibt in der Verantwortung
Der ADAC weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Assistenzsysteme zwar eine Unterstützung darstellten, Fahraufgaben aber nicht eigenständig und fehlerfrei übernehmen könnten. Deshalb sollten Autofahrer den Blick niemals von der Straße wenden und im Zweifelsfall selbst eingreifen.
Fußgänger und Kinder sollten in der dunklen Jahreszeit auf gut sichtbare Warnkleidung setzen. Der Sicherheitsgewinn durch solche Kleidung wiege schwerer als das Risiko, dass ein Notbremsassistent nicht oder zu spät reagiere.
