Baumängel stoppen Rekordprojekt

Deutschlands teuerste Straße: Schon vor Freigabe kaputt


26.10.2026 – 14:25 UhrLesedauer: 2 Min.

Alltag in Pirna: Die Straßen der Kreisstadt sind häufig überlastet. Eine Umgehungsstraße soll die Stadt entlasten. Doch das wird länger dauern als geplant. (Quelle: deepblue4you/getty-images-bilder)

Die teuerste Ortsumgehung Deutschlands bleibt Baustelle. Mängel an einer Brücke verhindern die Freigabe. Wann sie behoben sind, ist unklar.

Die Ortsumgehung Pirna ist zwar fertiggestellt, für den Verkehr aber weiterhin nicht freigegeben. Der Grund: Prüfer entdeckten an vier Pfeilern der Gottleubatalbrücke Hohlräume im Beton. Eine Sanierung soll frühestens im Jahr 2027 beginnen.

Fehler an der Brücke

Die 916 Meter lange und 70 Meter hohe Talbrücke ist das Herzstück der Strecke. Ihre exponierte Lage stellte laut dem Bauherrn Deges hohe Anforderungen an die Gestaltung. Die Brücke verfügt über schlanke Pfeiler und große Spannweiten. Anders als üblich liegt ihr Überbau nicht auf Lagern, sondern ist bei fünf der acht Pfeiler fest mit diesen verbunden.

Die Mängel betreffen die Y-förmigen Pfeilerköpfe. Sie sind für die Standfestigkeit der Brücke von entscheidender Bedeutung. Prüfer haben dort nicht fachgerecht ausgeführte Betonarbeiten festgestellt. Die Hohlräume müssen mit Spezialbeton verfüllt werden. Dafür ist eine Sondergenehmigung des Bundes erforderlich.

Gottleubatalbrücke bei Pirna: 27 Jahre nach Planungsbeginn schien das Bauwerk fertig. Doch Prüfer stellten Baumängel fest. (Quelle: IMAGO/Sylvio Dittrich)

Zuletzt sollte die Ortsumgehung Ende 2026 freigegeben werden. Einen neuen Freigabetermin gibt es derzeit nicht. Die Kosten für die Mängelbeseitigung soll der verantwortliche Auftragnehmer tragen. Laut Deges erhöhen sie nicht die Gesamtkosten des Projekts.

Auch am 315 Meter langen Kohlbergtunnel kam es zu Verzögerungen. Unter anderem hielten Fledermäuse die Arbeiten auf. Zudem war das Gestein so weich, dass es nur mit speziellem Werkzeug abgetragen werden konnte.

Von 36 auf 288 Millionen Euro

Die 3,8 Kilometer lange Bundesstraße 172n umgeht die rund 40.000 Einwohner zählende Stadt Pirna und führt zur Autobahn 17 zwischen Dresden und Prag. Sie soll die Innenstadt vom Durchgangsverkehr entlasten.

Die Deges beziffert die genehmigten Gesamtkosten auf rund 288 Millionen Euro. Das entspricht etwa 76 Millionen Euro pro Kilometer. Damit gilt die Ortsumgehung als teuerste ihrer Art in Deutschland.

Die Planung begann im Jahr 1999 mit einem Kostenansatz von 70,6 Millionen D-Mark, was umgerechnet rund 36 Millionen Euro entspricht. Zum Baubeginn im Jahr 2017 waren es bereits 98 Millionen Euro. Seitdem haben sich die Kosten fast verdreifacht.

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