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Home » Neue Leitlinie zur Suizidassistenz: Beratung bei Sterbewunsch
Gesundheit

Neue Leitlinie zur Suizidassistenz: Beratung bei Sterbewunsch

By zeit-heute.deOktober 24, 20263 Mins Read
Neue Leitlinie zur Suizidassistenz: Beratung bei Sterbewunsch
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Zahl assistierter Suizide in Deutschland gestiegen

Sterbewunsch – neue Leitlinie erklärt, was Ärzte tun sollen

24.10.2026 – 08:36 UhrLesedauer: 3 Min.

Vergrößern des Bildes

Schwere Erkrankungen können Menschen vor existenzielle Fragen stellen. (Quelle: kupicoo/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

Wie sollen Ärzte oder Pflegekräfte reagieren, wenn Menschen sagen, dass sie sterben wollen? Eine neue Leitlinie setzt auf eingehende Beratung – mit offenem Ausgang.

Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte sollen durch neue Handlungsempfehlungen besser mit Patientenwünschen nach einem assistierten Suizid umgehen können. Expertinnen und Experten für Medizin, Psychotherapie und Ethik stellten die neue Leitlinie „Umgang mit Anfragen nach Assistenz bei der Selbsttötung“ nach rund zweijährigen Beratungen in Halle (Saale) vor. Weil vor allem ältere Menschen zunehmend nach Hilfe beim Suizid fragen, wurden im Gesundheitswesen wiederholt klare und sichere Regelungen gefordert.

Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2020 ist die Zahl assistierter Suizide in Deutschland gestiegen. 2025 gab es mehr als 1.200 von Suizidhilfeorganisationen gemeldete Fälle und mutmaßlich eine hohe Dunkelziffer. Das Gericht hatte ein Verbot geschäftsmäßiger, also auf Wiederholung angelegter Sterbehilfe für nichtig erklärt: Sofern eine Suizidentscheidung „freiverantwortlich“ erfolgt, ist es rechtlich möglich, Hilfe bei der Selbsttötung in Anspruch zu nehmen, etwa durch die Aushändigung eines Medikaments. Vorstöße für ein Gesetz zur Sterbehilfe waren 2023 im Bundestag gescheitert.

Ausloten des Sterbewunsches

Die neue Leitlinie sieht ein „vertieftes Gespräch“ mit erfahrenen Fachleuten als einen ersten zentralen Schritt nach dem Vorbringen eines Sterbewunschs vor. Wie der Geschäftsführer der Akademie für Ethik in der Medizin, Alfred Simon, weiter erläuterte, sollen in wertschätzender Atmosphäre Hintergründe und Motive ohne Druck besprochen werden – um die Frage zu klären: Liegen Voraussetzungen für eine selbstbestimmte Entscheidung für oder gegen einen Suizid vor?

Erkannt werden soll etwa, ob eine psychische Erkrankung die Selbstbestimmungsfähigkeit beeinträchtigt. Psychische Erkrankungen schließen demnach zwar nicht aus, dass eine solche Entscheidung freiverantwortlich ist – umgekehrt könne die Freiverantwortlichkeit aber auch ohne psychische Erkrankung eingeschränkt sein. Auch eine akute Lebenskrise oder äußerer Druck könnte dabei eine Rolle spielen – und sollten erkannt werden.

Wenn nötig, sollen Wege zu einer Behandlung oder einem Klinikaufenthalt eröffnet werden. Eine Suizidassistenz solle nicht aktiv als Handlungsoption vorgeschlagen werden.

Mindestens zwei Prüfungen vor Suizidassistenz

Im nächsten Schritt sollen Betroffene demnach gezielt informiert und beraten werden – auch über Handlungsalternativen, mögliche Auswirkungen auf Dritte und Risiken einer fehlerhaften Durchführung. Die Freiverantwortlichkeit soll mindestens zweimal im Abstand von wenigstens vier Wochen beurteilt werden – empfohlen wird die Beteiligung einer Fachärztin oder eines Facharztes sowie einer weiteren unabhängigen Person aus dem Bereich der psychischen Gesundheit oder der psychologischen Psychotherapie. Durch „kritisches Hinterfragen“ solle die Motivlage der Betroffenen überprüft werden, so Simon. Die Ergebnisse sollen schriftlich dokumentiert werden.

Laut dem Medizinethiker kann es „unendlich viele Situationen“ geben, in denen ein Sterbewunsch geäußert wird. Oft sind Menschen der Generation 70plus betroffen, wie die Psychologin Birgit Wagner sagte. Die Leitlinie befasst sich auch mit den Belastungen der Angehörigen und dem Umgang mit ihnen – gegebenenfalls auch mit Enkeln –, die einfühlsam und altersgerecht informiert werden sollten. Insgesamt umfasst die Leitlinie 45 Empfehlungen.

Was ist eine Leitlinie?

Leitlinien sind Handlungsempfehlungen, die Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten bei Entscheidungen unterstützen. Sie werden in der Regel von den Berufsgruppen erarbeitet. In diesem Fall habe unter den mehr als 30 beteiligten Fachgesellschaften und Organisationen trotz einzelner Sondervoten insgesamt großer Konsens bestanden, wie deren Vertreter mitteilten. Die Leitlinie richtet sich auch an Sozialarbeitende und weitere Berufsgruppen im Gesundheits- und Sozialwesen, die mit Anfragen nach Suizidassistenz konfrontiert seien, wie es hieß.

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