Neue Technik kommt
In Städten übernehmen Autos bald das Steuer
05.11.2026 – 13:48 UhrLesedauer: 4 Min.
Autonomes Fahren in privaten Autos lässt weiter auf sich warten. Doch ab 2027 könnten neue Assistenten erstmals viele Aufgaben auch im Stadtverkehr übernehmen.
Autonomes Fahren – da war ja was: Vor einigen Jahren übertrumpften sich die Autohersteller mit Konzepten, wie das Auto der Zukunft aussehen könnte, wenn das Lenkrad nicht mehr benötigt wird und sich die Passagiere automatisiert von A nach B bringen lassen. Lesen, arbeiten, einen Film schauen oder sogar schlafen – in den teils recht futuristischen fahrenden Wohnzimmern sollte das möglich sein.
Bisher ist im Straßenverkehr wenig davon angekommen. Robotaxis von Unternehmen wie Waymo in den USA oder Baidu in China fahren zwar in festgelegten Gebieten ohne Fahrer. Für Privathaushalte ist die Technik noch immer nicht zu haben. Hier zeichnet sich stattdessen ein anderer Weg ab: Eine neue Generation sehr leistungsfähiger Fahrassistenten soll schon bald auf die Straßen kommen und mehrere Autohersteller sind bereits darauf vorbereitet.
Mehr als nur ein Tempomat
In der Branche läuft diese Technik häufig unter der Bezeichnung Level 2++. Gemeint sind Systeme, die deutlich mehr können als klassische Abstandsregeltempomaten oder Spurhalteassistenten. Allerdings bleibt der Mensch weiterhin verantwortlich: Es handelt sich rechtlich um Assistenzsysteme. Der Fahrer muss das Verkehrsgeschehen überwachen und jederzeit eingreifen können.
Die Level im Überblick
Beim automatisierten Fahren unterscheidet man sechs Stufen: Level 0 beschreibt das klassische Fahren ohne aktiv eingreifende Assistenzsysteme. Bei Level 1 unterstützt das System entweder bei der Längs- oder der Querführung (Lenkung oder Gas/Bremse), die Verantwortung bleibt vollständig beim Fahrer. Level 2 ermöglicht die gleichzeitige Übernahme von Längs- und Querführung in bestimmten Situationen, der Fahrer muss das System jedoch dauerhaft überwachen. Bei Level 3 übernimmt das Fahrzeug die Fahraufgabe zeitweise selbstständig und fordert den Fahrer bei Bedarf zur Übernahme auf. Level 4 steht für weitgehend selbstständiges Fahren in definierten Einsatzbereichen. Level 5 bezeichnet vollständig autonomes Fahren ohne menschliche Kontrolle in allen Verkehrssituationen.
Der Umweg zum autonomen Auto
Ab 2027 könnte diese Technik in Europa breiter sichtbar werden. Mercedes möchte den gemeinsam mit Nvidia entwickelten „MB.Drive Assist Pro“ mit entsprechenden Fähigkeiten im ersten Halbjahr 2027 in Deutschland anbieten und hat dafür bereits die Freigabe erhalten. BMW plant ebenfalls für 2027 einen erweiterten Fahrassistenten für den Stadtverkehr. Und auch Tesla und chinesische Hersteller wie Xpeng und BYD stehen mit ihren Systemen in den Startlöchern.

Bisher sind solche Assistenten vor allem auf Autobahnen im Einsatz. Für die Technik sind diese vergleichsweise berechenbar: getrennte Fahrbahnen, klare Spuren, gleichgerichteter Verkehr. In der Stadt ist die Lage anders. Dort kreuzen Fußgänger, Radfahrer und Lieferwagen die Fahrbahn, Ampeln wechseln, Baustellen verengen Spuren, andere Verkehrsteilnehmer halten sich nicht immer an Regeln. Und nun sollen Spurwechsel, Abbiegen an Kreuzungen, Kreisverkehre sowie Bremsen und das Anfahren an Ampeln ohne Zutun des Fahrers möglich sein. Entscheidend ist nur, dass eine Route im Navigationssystem eingestellt ist, damit das Auto die Richtung kennt.
Erstaunlich souverän – bis es kompliziert wird
Wie weit diese Technik ist, zeigte Xpeng im Rahmen des Autosalons im September bei einer Fahrt durch Paris. Laut Nachrichtenagentur SP-X bremste und beschleunigte der Wagen, erkannte Ampeln, wechselte Spuren und bog selbstständig ab. Auf dem Bildschirm war zu sehen, wie das System Autos, Fußgänger und Radfahrer erfasste. Ganz menschlich fährt der Computer trotzdem nicht: Die Systeme sind darauf programmiert, defensiv zu fahren. Im Großstadttreiben und im Zusammenspiel mit menschlichen Fahrern kann das zu Missverständnissen oder vollkommenem Stillstand führen.











