Erster Infektionsfall beim Menschen
Wie gefährlich ist das Shamonda-Virus?
23.10.2026 – 11:54 UhrLesedauer: 3 Min.

In Frankreich starb erstmals ein Mensch an einer nachgewiesenen Infektion mit dem Shamonda-Virus. Was zu dem Fall und möglichen Gefahren bekannt ist.
Jahrzehntelang kannten Fachleute das Shamonda-Virus nur als Tiererreger. Nun entdeckten Ärzte den Erreger erstmals bei einem Menschen. Der Patient starb Anfang Oktober in einem Krankenhaus in Lyon. Französische Behörden, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) untersuchen den Fall.
Was ist passiert?
Der Patient litt an einer starken Immunschwäche und war wegen einer schweren Vorerkrankung im Krankenhaus behandelt worden. Dadurch war er laut den französischen Behörden besonders anfällig für Infektionen und mögliche Komplikationen. Er hielt sich den Angaben zufolge zuvor in einer Region in Frankreich auf, in der das Virus unter Tieren zirkulierte und Gnitzen vorkamen. Diese winzigen, stechenden Insekten gelten als wahrscheinliche Überträger.
Noch steht nicht fest, welche Rolle das Virus beim Tod spielte. Fachleute prüfen noch, ob das Shamonda-Virus den Tod verursachte oder dazu beitrug und wie sich der Patient ansteckte. Allerdings vermuten die Behörden, dass die neurologischen Komplikationen, die bei dem Patienten vor dem Tod auftraten, sehr wahrscheinlich mit der Shamonda-Infektion im Zusammenhang standen.
Was ist das Shamonda-Virus?
Das Shamonda-Virus, kurz SHAV, gehört zu den Orthobunyaviren. Diese Virengruppe befällt häufig Tiere und verbreitet sich oft über blutsaugende Insekten. Forscher identifizierten das Virus Mitte der 1960er-Jahre erstmals in Nigeria. Seit Jahrzehnten zirkuliert es in Afrika und Asien.
Vor allem Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde und Alpakas können sich anstecken. Bei Rindern verursacht die Infektion meistens keine oder nur milde Beschwerden. Möglich sind Fieber, wässriger Durchfall und ein vorübergehender Rückgang der Milchleistung. Infizierte Muttertiere können den Erreger wahrscheinlich auch an ihre ungeborenen Jungtiere weitergeben.
Im Sommer 2026 tauchte das Virus erstmals bei europäischen Nutztieren auf. Seitdem wurde es unter anderem in Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien, Italien und Spanien nachgewiesen.
- Vogelgrippe breitet sich aus: Stiko spricht erstmals Impfempfehlung aus
- Aktuelle Dengue-Warnung: Diese Urlaubsziele haben ein Mückenproblem
Wie gefährlich ist es für Menschen?
Das lässt sich nach einem einzigen bekannten Fall nicht sicher beurteilen. Die französischen Behörden sehen zurzeit allerdings „kein Gesundheitsrisiko für die Allgemeinbevölkerung“. Auch das ECDC verweist auf die Immunschwäche des Patienten, die ihn von der Allgemeinbevölkerung unterscheide.
Auch Tom Solomon, Experte für Infektionen zwischen Tieren und Menschen an der University of Liverpool, sagte laut „Ärzteblatt“: „Das Shamonda-Virus zirkuliert bereits seit vielen Jahren bei Tieren. (…) Dies ist jedoch der erste bekannte Infektionsfall beim Menschen.“ Das spreche dafür, dass solche Übertragungen äußerst selten vorkommen.
Dennoch bleiben wichtige Fragen offen. Fachleute wissen bislang nicht, ob sich auch gesunde Menschen infizieren können, ohne Symptome zu entwickeln. Ebenso unklar bleibt, welche Beschwerden das Virus bei Menschen normalerweise auslöst, wie häufig schwere Verläufe auftreten könnten und wie genau das Virus Menschen infiziert.
Kann es von Mensch zu Mensch übertragen werden?
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch haben die Behörden bislang nicht beobachtet. Fachleute vermuten, dass eine infizierte Gnitze den Patienten stach. Die genaue Gnitzenart ist allerdings noch unbekannt. Die WHO fordert deshalb weitere Studien zum Übertragungsweg.










