Nach Ausschreitungen
Platzsturm und Pyrotechnik: Verfahren gegen Klubs
05.04.2026 – 17:20 UhrLesedauer: 2 Min.
Beim Spiel Dynamo gegen Hertha stürmen Fans das Spielfeld: Beiden Vereinen drohen Strafen – und die Debatte über Stadionverbote bekommt neuen Zündstoff.
Das Zweitligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC ist von schweren Fan-Ausschreitungen überschattet worden. Anhänger beider Lager kletterten über Zäune, stürmten das Spielfeld und setzten Pyrotechnik gezielt gegeneinander ein. Die Polizeidirektion Dresden leitete mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren ein.
Schiedsrichter Sven Jablonski unterbrach die Partie zweimal: zunächst wegen Rauchschwaden durch abgebrannte Pyrotechnik, dann wegen des Platzsturms. Dresdner Fans rannten vermummt zum Hertha-Fanblock. Pyrotechnik wurde gezielt aufeinander abgeschossen. Jablonski schickte beide Teams in die Kabinen.
Fans aus Berlin verlassen Stadion in Begleitung der Polizei
Polizisten drängten die Dynamo-Anhänger zurück in ihren Block. Dort brannten Fans eine Hertha-Fahne ab – in der Fanszene gilt das als eine der schwersten Provokationen gegenüber dem Kontrahenten. Rund 600 Gästefans verließen das Stadion vorzeitig unter Polizeibegleitung.
Die Polizeidirektion Dresden ermittelt wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Ticketbetrug. Insgesamt waren 750 Polizisten aus Bayern, Thüringen und der Bereitschaftspolizei Sachsen im Einsatz.
Krawalle: Das sagt Herthas Geschäftsführer
Laut dpa war es das erste Mal in der Vereinsgeschichte Dynamos, dass Fans beim Heimspiel das Spielfeld stürmten. Dynamo-Geschäftsführer Stephan Zimmermann erklärte: „Bilder, wie wir sie am heutigen Abend gesehen haben, sind nicht akzeptabel und schaden nicht nur unserem Verein, sondern dem gesamten Fußball in Deutschland massiv.“ Er erklärte zudem, er setze sich mit zahlreichen anderen Vereinen seit Monaten „für Faninteressen und ein sicheres Stadionerlebnis“ ein. Die Ereignisse seien „ein absoluter Schlag ins Kontor“.
Für Hertha BSC sind die Krawalle besonders heikel. Nach Zusammenstößen mit der Polizei beim Schalke-Heimspiel im Januar hatte der Club klar Partei für seine Fans ergriffen. Das Fehlverhalten der Hertha-Anhänger in Dresden war laut dpa offenkundig. Geschäftsführer Peter Görlich räumte ein, die Geschehnisse entsprächen nicht seinem „Wertegerüst“. „Das ist Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker. Das ist uns bewusst“, sagte er.
DFB: Ermittlungen durch den Kontrollausschuss
Görlich warnte vor einer Pauschalisierung, sah die Argumentationslage für Vereine und Fanszene aber schwinden. Den Vereinen und der Fanszene gingen in der Debatte über Stadionverbotsrichtlinien die Argumente aus, räumte er ein.
Der DFB kündigte sofort Ermittlungen durch den Kontrollausschuss an. Eine saftige Geldbuße wird bei der Historie beider Fanlager vermutlich nicht die einzige Konsequenz sein. Fan-Ausschlüsse sind möglich, sie sind angesichts der laufenden Diskussion um die Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien ein Politikum.
Hertha bleibt nach dem 1:0 im Rennen um den Aufstieg: Mit 13 Punkten aus fünf Spielen wäre dieser rechnerisch noch möglich.











