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Home » Millionen Deutsche greifen aufs Ersparte zurück
Wirtschaft

Millionen Deutsche greifen aufs Ersparte zurück

By zeit-heute.deOktober 30, 20263 Mins Read
Millionen Deutsche greifen aufs Ersparte zurück
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Kaum Rücklagen für Krisen

Millionen Deutsche greifen aufs Ersparte zurück


Aktualisiert am 30.10.2026 – 12:18 UhrLesedauer: 3 Min.

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Einkäufe auf dem Kassenband (Symbolbild): Wenn die Preise für Energie und Lebensmittel steigen, schmelzen die Rücklagen der Menschen in Deutschland. (Quelle: TommL)

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

Sparen wird zu einem Luxus, den sich viele Menschen nicht mehr leisten können. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie ernst die Lage wirklich ist.

Hohe Lebenshaltungskosten hinterlassen seit Jahren tiefe Spuren in den Geldbeuteln der Deutschen. Viele müssen inzwischen ihre Ersparnisse angreifen, nur um den Alltag zu finanzieren. Gemäß einer YouGov-Umfrage für die Postbank nutzen 42,6 Prozent von 2.117 Befragten ihre Rücklagen, um die Lebenshaltungskosten zu stemmen. 13,8 Prozent haben nach eigenen Angaben überhaupt keine Ersparnisse mehr. Eine Aussicht auf Besserung gibt es vorerst nicht.

Strom, Gas, Sprit – die Preisspirale dreht sich weiter

Hohe Energiepreise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher seit Monaten. Nach den vorangegangenen Verwerfungen der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs treibt nun der Konflikt mit dem Iran die Preise massiv an.

Monatelang blieb die Straße von Hormus – einer der weltweit wichtigsten Transportwege für Flüssiggas (LNG) und Öl – blockiert und der Schiffsverkehr dort stark eingeschränkt. Dadurch haben sich laut Statistischem Bundesamt die Beschaffungskosten für Gas am Großhandelsmarkt zeitweise verdoppelt. Das verteuert sowohl das Heizen mit Gas als auch die Ölimporte direkt.

Diesen Teuerungsraten bei den Energiepreisen können Verbraucherinnen und Verbraucher kaum entkommen. Denn Strom, Heizen und Tanken gehören zu den existenziellen Grundbedürfnissen. Im Alltag können sie Ihren Verbrauch nicht beliebig reduzieren, um Kosten zu sparen.

Wenn jeder Euro zählt

Vor allem Haushalte mit niedrigem Nettoeinkommen geraten in Schwierigkeiten. Das zeigen Daten, die Meinungsforscher vom 2. bis 5. Oktober erhoben haben: Gerade einmal ein Fünftel (21,4 Prozent) der Haushalte mit höchstens 2.500 Euro Monatseinkommen kann die laufenden Kosten nach eigenen Angaben damit decken.

Insgesamt geben inzwischen 15,2 Prozent der Menschen an, dass sie wegen der gestiegenen Preise kaum noch ihre Lebenshaltungskosten tragen können – ein deutlicher Anstieg. Bei der Vergleichsumfrage im März lag dieser Wert noch bei 12,8 Prozent.

Immer mehr Konten am Limit

Dass viele Menschen in Deutschland an die Grenzen ihrer Zahlungsfähigkeit gelangen, zeigt auch der aktuelle Schufa Risiko- und Kreditkompass. Demnach stieg der Anteil der Verbraucher mit Zahlungsstörungen im Datenbestand der Schufa 2025 auf 8,1 Prozent – im Jahr zuvor hatte der Wert noch bei 7,9 Prozent gelegen.

Grund für die Zunahme ist, dass Unternehmenskunden und Banken mehr fällige, unbezahlte Forderungen an die Schufa gemeldet haben. Die Zahl der in öffentlichen Schuldner- oder Insolvenzregistern verzeichneten Personen stagnierte wiederum gegenüber dem Vorjahr.

Zudem stieg die Zahl der Pfändungsschutzkonten in Deutschland weiter an. Noch nie hatten so viele Menschen ein P-Konto wie 2025: 2.817.000 Personen, das sind 4 Prozent der Erwachsenen in Deutschland. In diesem Jahr dürfte diese Zahl nochmals gestiegen sein – ein Beleg dafür, dass bei vielen die Ausgaben die Einnahmen übersteigen.

Droht eine Kontopfändung oder liegt diese bereits vor, können Schuldner durch die Einrichtung eines Pfändungsschutzkontos ihr Einkommen und andere Geldeingänge bis zur Höhe der notwendigen Lebenshaltungskosten vor dem Zugriff der Gläubiger schützen.

Sparen wird zum Luxus

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, zu der die Postbank gehört, ordnet die Lage ein: „Obwohl die Reallöhne zuletzt wieder gestiegen sind und sich die Kaufkraft der Beschäftigten im Durchschnitt erholt hat, bedeutet das nicht, dass sich die finanzielle Lage für alle Haushalte gleichermaßen entspannt hat.“ Die Menschen hätten das Sparen nicht aufgegeben, sagt der Experte – aber für viele werde es schwieriger, substanzielle Rücklagen aufzubauen.

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