
Eine Überprüfung anhand historischer Daten bestätigte die Annahmen der Wissenschaftler. Diesen Daten zufolge sei die Sterblichkeit durch äußere Todesursachen zwischen 1900 und 1935 deutlich zurückgegangen, ungefähr um den Faktor drei. Zugleich habe sich die geschätzte Vererbbarkeit der Lebensspanne verdoppelt.
„Dies spricht dafür, dass das Herausrechnen extrinsischer Todesursachen den relativen Einfluss genetischer Faktoren sichtbar macht“, sagte Chiara Herzog zum Science Media Center (SMC). Die Wissenschaftlerin war an der Studie nicht beteiligt, kennt sich mit dem Thema aber gut aus: Unter anderem ist sie Arbeitsgruppenleiterin am Department für Zwillingsforschung und Genetische Epidemiologie, Fakultät für Life Sciences und Medizin am King’s College London.
Herzog beurteilt die Ergebnisse als „methodisch gut abgesichert“. Die berichteten Werte seien zudem auch mit Ergebnissen aus Tiermodellen vereinbar, etwa aus Mausstudien.
Forschungsnews wie diese führen leicht zu Missverständnissen, die wiederum irreführende Schlüsse nach sich ziehen können. Nicht ableiten lässt sich beispielsweise, dass die Lebensdauer einer einzelnen Person zur Hälfte genetisch bedingt ist. Sondern: Für die Unterschiedlichkeiten der Lebensspannen von Menschen sind zur Hälfte erbliche Faktoren verantwortlich.
Vererblichkeit sei eine populationsbasierte Kenngröße und erlaube keine direkten Rückschlüsse auf einzelne Personen, betont auch die Expertin Herzog gegenüber dem SMC. „Auf individueller Ebene spielen Verhaltensfaktoren wie Bewegung, Ernährung, und soziale Einbindung ebenso wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen – etwa der Zugang zu sauberer Luft, Wasser und Grünflächen – weiterhin eine zentrale Rolle, nicht nur dafür, wie lange, sondern auch, wie gesund wir innerhalb dieser Zeit leben.“
Das bedeutet: Innerhalb des genetischen Rahmens kann jeder Einzelne viel für ein gesundes und langes Leben tun, in erster Linie, indem er auf seinen Lebensstil achtet. Soziale Bedingungen, medizinische Versorgung und nicht zuletzt der Zufall haben jedoch ebenfalls einen großen Einfluss. Alles liegt also nicht in der eigenen Hand – und hat auch wenig mit den Genen zu tun.











