Gigafactory in Brandenburg

Tesla feiert sinkenden Krankenstand – und streicht Löhne

27.04.2026 – 02:07 UhrLesedauer: 2 Min.

Tesla Gigafactory in Grünheide (Archivbild): Noch im Sommer 2024 hatte der Krankenstand bei 17 Prozent gelegen. (Quelle: IMAGO/Jochen Eckel/imago)

Teslas Krankenstand in Grünheide ist dramatisch gesunken. Doch wie der Konzern das erreicht, wirft laut Arbeitsrechtlern ernste juristische Fragen auf.

Werksleiter André Thierig hat auf der Hannover Messe verkündet, dass der Krankenstand in Teslas Fabrik im brandenburgischen Grünheide bei Berlin auf unter fünf Prozent gesunken ist. Gleichzeitig streicht der Konzern kranken Mitarbeitern die Lohnfortzahlung, das zeigen Briefe, die dem Handelsblatt vorliegen.

Noch im Sommer 2024 hatte der Krankenstand bei 17 Prozent gelegen. „Ich glaube, da würden viele Unternehmen neidisch drauf schauen, hätten sie das geschafft“, sagte Thierig. Neben neuen Angeboten wie Fitnessstudio, Barbershop und einem vergünstigten Fahrzeugmietservice habe sich auch die Stimmung gewandelt: „Die Leute finden es geil.“

Die Kehrseite: Mehrere Betriebsräte haben dem Handelsblatt bestätigt, dass Tesla erneut Briefe an länger kranke Beschäftigte verschickt, in denen der Konzern die Lohnfortzahlung einstellt. „Keine weitere Entgeltfortzahlung wegen möglicher Fortsetzungserkrankung“, lautet die Überschrift eines aktuellen Schreibens, das dem Handelsblatt vorliegt. Tesla bestreitet darin, dass eine neue Erkrankung vorliegt und fordert Mitarbeiter auf, ihre Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden, sowie ihre Krankengeschichte detailliert offenzulegen.

Arbeitsrechtler halten das für zu weitgehend. „Das scheint mir doch etwas mehr, als die Rechtsprechung verlangt“, sagt Gregor Thüsing, Professor an der Universität Bonn. Kein Mitarbeiter müsse von sich aus Diagnosen vortragen, der Arzt müsse keine Diskussion mit Tesla über seine Diagnose führen. Was Tesla fordere, sei „juristisch hoch umstritten“. Bereits 2024 erstritt die IG Metall nach eigenen Angaben 160.000 Euro für Beschäftigte, deren Lohn Tesla zuvor einbehalten hatte.

Unterdessen plant Thierig Wachstum: Bis Ende Juni sollen rund 1.000 neue Mitarbeiter eingestellt, die Produktion auf 6.000 Fahrzeuge pro Woche gesteigert werden, obwohl die Belegschaft seit März 2024 von gut 12.400 auf rund 10.700 geschrumpft ist. Der Grund laut Thierig: Automatisierung mache künftig weniger Personal für dieselbe Fahrzeugmenge nötig. Den Druck dahinter benennt er offen: „Wir konkurrieren mit Elektrofahrzeugen ‚Made in China‘. Und wenn wir da die Lieblings-Elektrofahrzeuge in Deutschland herstellen wollen, müssen wir an der Effizienzschraube drehen.“

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