Kölschrock-Legende

„Streng genommen bin ich der Erfinder der kölschen Rock-Musik“

27.04.2026 – 05:22 UhrLesedauer: 3 Min.

Jürgen Zeltinger (Archivbild): Der Kölsch-Rocker ist seit Jahren eng mit Wolfgang Niedecken befreundet. (Quelle: Christoph Hardt/imago)

Er hat Leberkrebs überlebt, sich im TV geoutet und Wolfgang Petry zum Freund. Jetzt verrät Jürgen Zeltinger, was er an seiner Karriere wirklich bereut.

Er ist 76 Jahre alt, hat Leberkrebs überlebt, fast 60 Kilogramm abgenommen und steht kurz vor dem wohl größten Auftritt seiner Karriere: Am 1. August tritt Jürgen Zeltinger beim Heavy-Metal-Festival in Wacken auf. Im Interview mit dem Kölner „Express“ rechnet der Musiker ab, erinnert sich, und lässt eine Aussage fallen, die in Köln diskutiert werden dürfte.

„Was heißt hier einer der Erfinder? Streng genommen bin ich der Erfinder der kölschen Rock-Musik“, sagt Zeltinger im Gespräch und schiebt nach: Nach ihm sei BAP gekommen. Die älteren Bands, die auf Kölsch sangen, wie die Bläck Fööss, hätten „nichts mit Rockmusik zu tun“ gehabt. BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken habe ihn in der Popularität schnell überholt – doch Neid? „Quatsch! Was heißt denn Neid? Er macht seine Sache, ich mache meine, er hat mehr Glück, weil er sauberer und anständiger ist und von den Texten her anspruchsvoller.“ Die beiden seien befreundet, Zeltinger soll laut eigener Aussage im nächsten Jahr als Gast bei Niedecken in der Lanxess-Arena auftreten.

Den Wacken-Auftritt verdankt Zeltinger seinem Freund, dem Musikmanager Manfred Rolef, der ihn Wacken-Chef Holger Hübner empfohlen habe. Dessen Reaktion zitiert Zeltinger so: „Ich bin auch ne Asi mit Niwoh!“ Das Programm für den Auftritt steht noch nicht vollständig fest. Sicher dabei seien „Müngersdorfer Stadion“, „Stüverhoff“ und „Asi mit Niwoh“ – sowie als besondere Premiere ein Song, den Wolfgang Petry eigens für Wacken und Zeltingers Band geschrieben habe.

Den Spitznamen „Asi mit Niwoh“ hat Zeltinger übrigens selbst erfunden. „Damals, Anfang der 80er, hatte BAP mit ‚Verdamp lang her‘ einen Spitzenhit, darauf wollten wir mit einem Kontrastsong reagieren“, erklärt er. „Und weil es bei BAP ein schöner Popsong mit anspruchsvollem Text war, haben wir das Gegenteil gemacht, also Rock’n’Dreck, also ‚Asi mit Niwoh‘.“

Zeltinger war nach eigener Aussage einer der ersten bekennenden Schwulen im deutschen Showgeschäft. Sein öffentliches Outing in einer TV-Live-Sendung habe er mit Moderatorin Elke Heidenreich abgesprochen und bewusst vollzogen. Viele seien geschockt gewesen, er habe aber auch „sehr viele Freunde dazu gewonnen“. Später habe er erfahren, dass das Outing der Grund gewesen sei, weshalb er nie in der Sendung „Rockpalast“ auftreten durfte. „Das war dann ein Eigentor“, sagt er nüchtern.

Nach einer Leberkrebs-Erkrankung hat sich Zeltingers Gesundheitszustand nach eigenen Angaben deutlich verbessert. Er habe fast 60 Kilogramm abgenommen, wodurch seine Zuckerkrankheit „plötzlich verschwunden“ sei. Seit rund sechs Jahren lebe er fast vollständig ohne Alkohol, ein markanter Bruch mit früheren Zeiten. „Die ersten 30 Jahre waren unglaublich intensiv – genaugenommen war’s oft nur ein Sauf- und Kiff-Gelage, und davon hat man irgendwann genug.“

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