
Berliner Lieblingsorte von Mirna Funk
„Ich bin ein altes Mitte-Girl“
Aktualisiert am 15.01.2026 – 09:44 UhrLesedauer: 3 Min.
Berlin ist ihre Heimatstadt, und doch zieht sie sich zunehmend zurück. Autorin Mirna Funk über Berliner Lieblingsorte, Angst vor Anfeindungen und ihr Leben zwischen Berlin und Tel Aviv.
Mirna Funk ist in Ostberlin geboren und aufgewachsen. Heute lebt und arbeitet sie als Autorin und freie Journalistin in Berlin-Mitte und Tel Aviv. In einer Kolumne widmet sie sich seit 2021 dem Thema Sex, in ihren journalistischen Texten und Büchern beleuchtet sie jüdische Lebensrealitäten. Damit polarisiert sie.
Die jüdische Protagonistin ihres neuen Romans „Balagan“ bewegt sich zwischen Torstraße, Charlottenburg und Israel, zwischen dem Berliner Nobelrestaurant „Borchardt“, dem eher hochpreisigen Blumenladen „Marsano“ und dem „Geisel-Platz“ vor dem „Museum of Art“ in Tel Aviv.
Im Gespräch mit der Regionalredaktion von t-online in Berlin erzählt Funk, warum sie gerade diese Orte für ihren Roman gewählt hat, warum sie heute lieber in Mitte ist als in Pankow – und warum sie glaubt, dass jüdisches Leben nicht nur in Berlin zunehmend isoliert stattfindet.
„Ich bin ein altes Mitte-Girl“, antwortet Funk auf die Frage, wo es in Berlin am schönsten sei. „Ich mag die Atmosphäre in Mitte und die Ruhe auf meiner Dachterrasse“, sagt sie. Seit 25 Jahren lebe sie bereits im Bezirk und könne es sich gar nicht vorstellen, in einen anderen Teil der Stadt zu ziehen. „Höchstens nach Charlottenburg“, schiebt sie nach.
Nicht ohne Grund bewegt sich auch die Protagonistin ihres Romans durch Galerien und Restaurants in der Torstraße, der Französischen Straße oder am Rosenthaler Platz. „Mitte ist ein zentraler Ort in meinem Leben“, sagt Funk, „und ich schreibe lieber über Orte und Dinge, über die ich auch genug weiß.“
Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Funk allerdings in Pankow. „Ich hasse Pankow und ich meide Pankow“, sagt Funk. Jeder, der im Pankow der Neunzigerjahre aufgewachsen sei, wisse, was sie damit meine, erklärt sie. „Pankow war wirklich heftig in den Neunzigern“, sagt Funk, „die Stimmung war aggressiv und der Bezirk voller Nazis“.
Rechte Gewalt gab es damals, während der sogenannten „Baseballschlägerjahre“ nach der Wende, allerdings nicht nur in Pankow, sondern auch in anderen Berliner Bezirken sowie im gesamten Bundesland.
In den vergangenen 30 Jahren hat sich Pankow laut Funk verändert. „Pankow ist heute eher ein zweiter Prenzlauer Berg“, sagt sie, „aber ich bin kein nostalgischer Mensch, mich zieht es trotzdem nicht zurück an den Ort meiner Kindheit.“











