Doch es ist nicht nur der politische Gegner, der Bedenken hat. Der Deutsche Städtetag meldet etwas an, das man als das deutsche Interesse in der ganzen Sache bezeichnen könnte. Oder zumindest als ein deutsches Interesse, das auch für Friedrich Merz sonst ganz oben steht: das Interesse der Wirtschaft, in diesem Fall an Arbeitskräften.
Viele Syrer seien im deutschen Arbeitsmarkt angekommen, sagt Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt den Funke-Zeitungen, auch in Branchen, die händeringend Fachkräfte suchten. Er wünscht sich eine Regelung, mit der sie bleiben können. „Damit hätten sowohl die betroffenen Syrerinnen und Syrer als auch die Betriebe Planungssicherheit.“ Schuchardt ist übrigens Kommunalpolitiker der CSU.
Wie viele Syrer hier arbeiten, hat die Bundesagentur für Arbeit gerade erst bekannt gemacht. Von denen, die 2015/2016 nach Deutschland kamen, arbeiten inzwischen 60 Prozent. (Zum Vergleich: Bei deutschen Staatsbürgern liegt die Quote bei 71 Prozent.) Nimmt man alle Syrer, also auch später hinzugekommene, zusammen, dann arbeiten 47 Prozent von ihnen. Und zwar vor allem im Gesundheitswesen, in der Pflege, im Handel und in der Logistik – aus Sicht der Arbeitsagentur alles Branchen, die Bedarf haben.
Es sind also in jedem Fall deutlich mehr als die 20 Prozent, die nach einer möglichen Rückkehr von 80 Prozent noch in Deutschland übrig bleiben würden.
Wichtig ist das auch deshalb, weil die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute am Mittwoch den Arbeitskräftemangel erst wieder als einen wesentlichen Grund für die strukturelle Wachstumsschwäche Deutschlands genannt haben. Merz selbst hat die syrischen Fachkräfte am Montag auf der Pressekonferenz mehrfach erwähnt und ihnen gedankt. Nur zugleich sagte er, dass sie eben auch „zu Hause gebraucht“ würden.
Als Regierungssprecher Stefan Kornelius am Mittwoch auf das mögliche deutsche Interesse an Arbeitskräften angesprochen wird, antwortet er, die Gruppe der Syrer sei natürlich heterogen, diesen Unterschieden wolle man gerecht werden, da sei man sich einig. Es könne sich „jeder drauf verlassen, dass das gerecht und fair zugeht“.
Nach großer Priorität hört sich aber auch das nicht an. Ein deutsches Werben um syrische Arbeitskräfte klingt jedenfalls anders. Das aber dürfte schlicht nicht zum anderen Signal passen, das der Kanzler setzen will: Die „Migrationswende“ geht weiter.












