Neuer Tiefstwert
Das Tankstellensterben geht weiter
29.06.2026 – 15:12 UhrLesedauer: 2 Min.
Mit Kraftstoff allein verdienen Tankstellen kaum noch Geld. Warum immer mehr Standorte verschwinden und welche anderen Dinge für viele Betreiber inzwischen wichtiger sind.
Wer regelmäßig mit dem Auto unterwegs ist, dürfte die Entwicklung längst bemerkt haben: Die Zahl der Tankstellen wird kleiner. Vor allem außerhalb der Städte wird der Weg bis zur nächsten Zapfsäule mancherorts länger. Nun ist ein weiterer Meilenstein erreicht. Erstmals gibt es in Deutschland weniger als 14.000 Tankstellen. Das geht aus einer aktuellen Marktstudie des Bundesverbands Freier Tankstellen (bft) hervor.
Der Rückgang ist Teil eines langfristigen Trends. Anfang der 1970er-Jahre gab es in Deutschland noch mehr als 46.000 Tankstellen. Mitte der 1980er-Jahre waren es rund 20.000.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Mit Benzin und Diesel allein lässt sich kaum noch Geld verdienen. Vom Literpreis bleiben den Pächtern oft nur wenige Cent. Davon müssen Personal, Pacht und Transport bezahlt werden. Gleichzeitig steigen die Betriebskosten, neue Investitionen – etwa in Ladeinfrastruktur – werden notwendig und gesetzliche Vorgaben nehmen zu. Hinzu kommt, dass sich große Mineralölgesellschaften zunehmend aus dem Tankstellengeschäft zurückziehen und ihre Netze verkaufen.
Deshalb hat sich das Geschäft der Tankstellen längst verändert. Wer heute anhält, tankt oft nicht nur, sondern kauft einen Kaffee, etwas zu essen oder nutzt die Waschanlage. Für viele Betreiber sind genau diese Angebote inzwischen wichtiger als der Kraftstoffverkauf.
12-Uhr-Regel macht Tankstellen zu schaffen
Auch deshalb sieht der Verband die sogenannte 12-Uhr-Regel kritisch. Sie erlaubt Preiserhöhungen für Kraftstoffe nur bis 12 Uhr, Preissenkungen sind dagegen jederzeit möglich. Nach Ansicht des bft verlagern viele Autofahrer ihren Tankstopp deshalb auf den Vormittag. Und das hat Folgen für das Geschäft.
bft-Vorstandsvorsitzender Carsten Müller beklagt: „Nach 12 Uhr brechen vielerorts die Kundenfrequenz und damit das Bistro- und Snackgeschäft deutlich ein. An den Zapfsäulen herrscht oft Leere. Dabei erwirtschaften Tankstellen durchschnittlich rund 65 Prozent ihres Umsatzes mit Shop-, Gastronomie- und Serviceleistungen wie der Autowäsche, während nur etwa 35 Prozent auf den Kraftstoffverkauf entfallen.“
Für den Verband ist das ein weiteres Beispiel dafür, wie politische Vorgaben in den Betrieb der Tankstellen eingreifen. Unabhängig davon verändert sich das Geschäftsmodell aber ohnehin. Die Tankstelle der Zukunft wird mehr bieten müssen als Benzin und Diesel. Viele Betreiber erweitern ihr Angebot schon heute um Schnelllader, Paketstationen, Einkaufsmöglichkeiten oder Gastronomie.











