Drohnen in Leipzig
Dobrindt spricht von „hybridem Anschlagsszenario“
Aktualisiert am 05.08.2026 – 23:08 UhrLesedauer: 4 Min.
Drohnen über dem Flughafen Leipzig/Halle haben Bundesinnenminister Dobrindt alarmiert. Er spricht von einer neuen und besorgniserregenden Gefahrenqualität.
Der Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle war aus Sicht von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ein Anschlagsversuch. Nach seiner Einschätzung handele es sich um ein „hybrides Anschlagsszenario“, sagte der CSU-Politiker am Abend vor Ort.
„Neues Bedrohungsszenario“
„Dass eine Drohne bewaffnet mit Sprengstoff sich hier auf einem Flughafengelände befindet, das ist ein neues Bedrohungsszenario“, sagte Dobrindt. Mutmaßliche Drahtzieher nannte er nicht. Er sagte, man habe es mit einem Wettbewerb zu tun, der „möglicherweise auch fremde Mächte“ mit einschließe, die offensichtlich zu erheblicher Verunsicherung in Deutschland beitragen wollten.
Mit hybriden Angriffen sind in der Regel Angriffe im Verborgenen gemeint, die nicht auf direkte Konfrontation abzielen, sondern Verunsicherung schaffen sollen. Dabei können verschiedene Instrumente wie Sabotage, wirtschaftlicher Druck oder Desinformation zusammenkommen.
Einsatz mitten in der Nacht
Die Drohne mit der Sprengvorrichtung war in der Nacht auf der Start- und Landebahn „Südpiste“ am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt worden. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Bei Röntgenaufnahmen wurde nach Informationen der „Bild“-Zeitung ein Zünder gefunden, der aber defekt war. Zu einer Explosion kam es nicht. Die Sprengladung wurde nach Dobrindts Angaben durch eine Entschärfergruppe der Bundespolizei unschädlich gemacht.
Ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt sei mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen, nachdem das Flugzeug wegen der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn wieder durchgestartet sei, erklärte das sächsische Landeskriminalamt (LKA). An der Maschine wurden nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt.

Dobrindt sieht professionelle Täter am Werk
Solche hybriden Bedrohungslagen müssten sehr professionell vorbereitet und umgesetzt werden, sagte Dobrindt. Man brauche dafür ein hohes Maß an Technikerfahrung, auch Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff müsse vorhanden sein.
„Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin. Wir reden hier von einer professionellen hybriden Bedrohungslage, mit der wir uns weiter auseinandersetzen müssen“, so Dobrindt. Man bereite sich auf „mögliche weitere Bedrohungsszenarien“ vor.
„Es ist aus der jetzigen Erkenntnis so, dass wir davon ausgehen müssen, dass dieser Sprengstoff militärischer Sprengstoff ist“, sagte er später in den ARD-„Tagesthemen“.
Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sagte im ZDF-„heute journal“: „Das ist nicht der Kauf einer Drohne in einem Baumarkt. Ja, kein Amateurhandel, das kann man klipp und klar sagen. Und deswegen ist das eine Möglichkeit, dass hier Fremdenmächte am Werk waren.“
Motivation laut Behörden noch unklar
Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden und das im LKA ansässige Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) übernahmen die Ermittlungen. Sie schließen eine politische Motivation nicht aus. Deshalb sei auch das PTAZ im Einsatz, hieß es.











