Erstmals seit 2020
Hochbahn kauft wieder Dieselbusse – das steckt dahinter
11.05.2026 – 09:16 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Hochbahn will erstmals seit 2020 wieder Busse mit Dieselmotor anschaffen. Das soll für Sicherheit in Krisen sorgen. Die neuen Fahrzeuge sollen aber klimafreundlicher fahren als klassische Dieselbusse.
Die Hamburger Hochbahn plant erstmals seit 2020 wieder den Kauf von Verbrennerbussen. Bis zu 150 Fahrzeuge sollen bis 2029 ausgeliefert werden. Damit vollzieht das städtische Unternehmen einen Kurswechsel: Seit 2020 hatten die Hochbahn und die ebenfalls mehrheitlich städtischen Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) ausschließlich Elektrobusse beschafft.
In einem Beschluss der Bürgerschaft vom 11. September 2019 hieß es noch: „Die Busflotten von Hochbahn und VHH sollen bis 2030 vollständig auf Busse mit emissionsfreien Antrieben umgestellt werden.“ Dieses Ziel verschob Hamburg bereits vor zwei Jahren auf „Anfang der 2030er Jahre“. Auch auf ihrer Internetseite erklärt die Hochbahn weiterhin: „Wir tauschen bis Anfang der 2030er Jahre alle rund 1.100 Dieselbusse gegen E-Busse aus.“ Alle Fahrzeuge würden emissionsfrei sein. Mit der neuen Bestellung dürfte dieses Ziel jedoch vorerst nicht erreichbar sein.
Neue Busse sollen weniger Treibhausgase verursachen
Nach Angaben des Hochbahn-Sprechers Andreas Ernst können die neuen Fahrzeuge mit dem synthetischen Kraftstoff HVO100 betrieben werden. Die Abkürzung steht für „Hydrotreated Vegetable Oils“, also mit Wasserstoff behandelte Pflanzenöle. Der Kraftstoff gilt als klimafreundlicher als fossiler Diesel.
Ernst sagte: „Mit dem Einsatz von HVO100 werden Treibhausgasemissionen gegenüber fossilem Diesel in der Bilanz deutlich geringer angerechnet, auch wenn Verbrennerbusse weiterhin lokal Emissionen verursachen.“ Der Kraftstoff wird überwiegend aus Altfetten hergestellt. Entscheidend ist dabei jedoch, dass der eingesetzte Wasserstoff aus erneuerbaren Energien stammt.
Hochbahn verweist auf Krisenvorsorge
Die Hochbahn begründet die Anschaffung der neuen Busse vor allem mit der Versorgungssicherheit. Sprecher Ernst erklärte: „Ziel ist die Stärkung der Resilienz-Fähigkeit und der kritischen Infrastruktur, wozu auch die Aufrechterhaltung einer ÖPNV-Versorgung der Bevölkerung in Krisenzeiten gehört.“
Gleichzeitig halte das Unternehmen an der Elektrifizierung der Busflotte fest. Auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Modernisierung der Betriebshöfe blieben wichtige Bestandteile der Strategie. Allerdings kosten Elektrobusse nach Angaben der Hochbahn rund zweieinhalbmal so viel wie Dieselbusse. Deshalb könne die Flotte nur mit ausreichender Förderung weiter elektrifiziert werden.
VHH setzen weiter auf Elektrobusse
Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein erklärten, sie wollten auch künftig batteriebetriebene E-Busse für Hamburg anschaffen. Mit HVO betriebene Dieselbusse seien dort nicht geplant. Die VHH fahren allerdings auch in fünf angrenzenden Landkreisen in Schleswig-Holstein. Dort gelten die Hamburger Klimaziele nicht.
Die Hamburger Verkehrsbehörde betonte, die Hochbahn nehme bei der Elektrifizierung bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Derzeit seien 432 E-Busse im Einsatz, das entspreche rund 39 Prozent der gesamten Flotte. Bis 2031 sollen weitere 240 E-Busse hinzukommen – vorausgesetzt, der Bund stellt die nötigen Fördermittel bereit. Dann könnte der Anteil elektrischer Busse auf rund 60 Prozent steigen. Nach Angaben des Senats verfügen die VHH derzeit über 521 Diesel- und 278 Elektrobusse. Damit ist ihre Flotte zu rund 35 Prozent elektrifiziert.
Zum 100-jährigen Bestehen ihres Busbetriebs wollen die VHH außerdem an elf Samstagen zwischen Ende Mai und Anfang Oktober drei Oldtimer im Linienverkehr einsetzen. Fahrgäste können dann Dieselmotoren aus den 1960er- und 1980er-Jahren erleben.











