Von minus 30 auf plus 110 Grad
Hitze-Hacker nehmen Blutspendedienst ins Visier
Aktualisiert am 04.11.2026 – 11:55 UhrLesedauer: 2 Min.
Nach Kühlregalen in Supermärkten nehmen Hacker neue Ziele ins Visier: In Deutschland attackieren sie eine Metzgerei, in Frankreich die staatliche Blutbank.
Die Cyberangriffe auf europäische Kühlsysteme weiten sich aus. Bisher hatten Hacker in mehreren Ländern zahlreiche Supermärkte angegriffen. Lebensmittel im Wert von mehreren Millionen Euro verdarben, auch deutsche Märkte mussten Kühlkost vernichten. „Manchmal fragt man sich wirklich, in was für einer kranken Welt wir eigentlich leben“, hieß es in einer Mitteilung eines bayerischen Edeka-Marktes.
Jetzt werden die nächsten Attacken gemeldet – und dieses Mal haben sich die Angreifer andere Ziele ausgewählt. Wie zuerst das französische Satire- und Investigativmagazin „Le Canard enchaîné“ berichtete, griffen Hacker in der Nacht vom 1. auf den 2. November die Kühlsysteme des französischen Blutspendedienstes EFS an.
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Der Sender BFMTV bestätigte die Recherche: Demnach waren mehrere regionale Einrichtungen des öffentlichen Blutspendedienstes betroffen. Kühlgeräte, in denen Spenderproben normalerweise bei einer konstanten Temperatur von minus 30 Grad aufbewahrt werden, wurden den Berichten zufolge von externen Angreifern so umprogrammiert, dass sie Temperaturen bis zu 110 Grad erreichen konnten.
Laut Gesundheitsministerium entdeckte ein Techniker allerdings die Attacke der Eindringlinge rechtzeitig. Das gefrorene Plasma, das für Transfusionen vorgesehen war, sei somit nicht zerstört worden, hieß es.
Bayerische Metzgerei wird zum Ziel der Hitze-Hacker
In derselben Nacht versuchten Hacker in Deutschland, mehrere Kühlhäuser einer Metzgerei im bayerischen Landkreis Neustadt an der Waldnaab zu sabotieren. Wie das Polizeipräsidium Oberpfalz am Mittwoch mitteilte, manipulierten die unbekannten Täter die Steuerung der Kühlanlagen und veränderten die Temperatureinstellungen mehrerer Kühlhäuser auf bis zu 150 Grad.
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Der entstandene Schaden liegt den Beamten zufolge nach derzeitigen Erkenntnissen im fünfstelligen Eurobereich. Durch die rechtzeitige Entdeckung der Manipulation sei ein noch größerer Schaden verhindert worden. Der IT-Verantwortliche der Metzgerei habe die Systeme wieder unter Kontrolle gebracht. Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen des Verdachts der Computersabotage. Der Vorfall stehe möglicherweise im Zusammenhang mit den anderen Cyberangriffen auf Kühl- und Tiefkühlsysteme in Europa, teilte die Polizei weiter mit.
Bundesamt alarmiert: „Einfallstore laden zu Sabotage ein“
Bereits nach der ersten Angriffswelle Mitte Oktober auf französische Supermärkte hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor weiteren Attacken gewarnt und ausdrücklich empfohlen, aus dem Internet erreichbare Steuerungsanlagen nach dem Stand der Technik abzusichern. BSI-Präsidentin Claudia Plattner hob hervor: „Die Vorfälle zeigen deutlich, wie Cyberangriffe unseren Alltag beeinflussen und stören können. Einfallstore laden zu Sabotage ein.“
Die BSI-Präsidentin sagte, Gegenmaßnahmen lägen auf der Hand und seien unkompliziert umzusetzen. „Zu den Maßnahmen zählt zuallererst, den direkten Zugriff aus dem Internet auf Steuerungssysteme zu unterbinden“, teilte das Bundesamt mit. Daneben sollten VPN-Systeme und multifaktorgeschützte Zugriffe genutzt werden.











