Ausflugstipp ab Braunschweig
Kein Lost Place mehr: In dieser Klinik wird wieder gelebt
Aktualisiert am 24.05.2026 – 02:54 UhrLesedauer: 2 Min.
Früher wurden Kinder mit schweren Lungenerkrankungen behandelt, dann folgte jahrzehntelanger Leerstand. Heute ist diese alte Klinik wieder voller Leben – und kann besichtigt werden.
Denken Menschen an Lost Places, dann meist an Verlorenes, an etwas, das vergangen ist und im Stillen verloren geht. Doch in Harzgerode, einer kleine Stadt im Ostharz, ist das anders. Der Ort, nicht weit von Braunschweig entfernt, beherbergt ein außergewöhnliches Stück Medizin‑ und Sozialgeschichte – und ein ungewöhnliches Lebensprojekt.
Die ehemalige Lungenheilstätte Harzgerode, einst eine Klinik für Kinder mit Tuberkulose, wurde nach Jahrzehnten des Leerstands von einer Gemeinschaft besetzt und entwickelt sich heute zu einem lebendigen Ort der Begegnung.
Lungenheilstätte Harzgerode: Funktionaler Bau mitten im Wald
Zwischen 1928 und 1931 entstand die Klinik auf einem 21 Hektar großen Gelände nördlich der Stadt. Der Architekt Godehard Schwethelm entwarf ein Ensemble aus Hauptgebäude, Gärtnerei, Wohnhäusern für Personal, Chefarztvilla, Isolationsstation und Schulgebäude im Stil des Neuen Bauens – funktional, mit viel Tageslicht und offen für die frische Bergluft des Harzes, die damals als wichtiges Heilmittel gegen die damals weit verbreitete Tuberkulose galt.

Die Klinik bot Platz für rund 150 junge Patienten, die hier nach dem Konzept der Frischluft‑Liegekuren behandelt wurden – eine Therapieform, bei der viel Zeit im Freien, Ruhe und Nahrung im Mittelpunkt standen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Haus: Aus der TBC‑Heilstätte wurde ab 1969 eine Fachklinik für Atemwegserkrankungen. Bis zur Schließung im Jahr 1998 blieb das Gebäude medizinisch genutzt, ehe die Klinik aus wirtschaftlichen Gründen endgültig aufgegeben wurde.
Areal fasziniert Lost-Place-Fans bis heute
Jahrzehntelang stand das Ensemble leer und wurde zu dem, was als Lost Place bezeichnet wird – ein verlassener Gebäudekomplex, dessen lange Gänge, große Räume und Spuren der Vergangenheit Fotografen und Abenteurer anzogen. Anders als viele solcher Orte ist die einstige Klinik aber nicht einfach zugänglich. Heute wird das Gelände genutzt und teilweise bewohnt. Führungen sind möglich.
Seit etwa sechs Jahren kümmert sich die Gemeinschaft Freie Feldlage um die ehemalige Heilstätte. Etwa ein Dutzend Menschen leben dort dauerhaft, mit dem Ziel, das Gelände nach und nach instand zu setzen und sinnvoll zu nutzen. Dabei geht es nicht nur um Sanierungsarbeit, sondern um ein neues Lebensmodell, in dem gemeinschaftliches Wohnen, nachhaltiges Wirtschaften und soziales Miteinander im Vordergrund stehen, heißt es auf der Webseite der Gemeinschaft.











