
Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit
Grüne wollen Leitung einer Schule attraktiver machen
29.01.2026 – 06:12 UhrLesedauer: 2 Min.
Schulleiter brennen aus, Stellen bleiben unbesetzt: Die Grünen wollen in Bayern nun gegensteuern. Warum der Job so unattraktiv geworden ist.
Schulleiter in Bayern stehen unter enormem Druck – so sehr, dass Leitungsstellen unbesetzt bleiben und Bewerber abgeschreckt werden. Die Landtags-Grünen wollen nun mit einem Maßnahmenbündel gegensteuern und schlagen am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtages weitreichende Reformen vor.
„Wir haben einen Zustand erreicht, in dem Leitungsstellen unbesetzt bleiben, Bewerberinnen abgeschreckt werden und engagierte Führungskräfte auf Dauer ausbrennen“, erläuterte der Bildungsexperte der Fraktion, Christian Zwanziger. Die Grünen fordern deshalb mehr Leitungszeit, bessere Vorbereitung auf die neue Aufgabe sowie Teilzeitmöglichkeiten wie Jobsharing.
Zwar erfassen die Statistiken des Kultusministeriums das Problem nicht. Aus der Praxis ist jedoch immer wieder zu hören, dass Schulleitungen nicht wie vorgesehen besetzt werden können, weil es an qualifizierten Bewerbungen mangelt. Der Führungsjob sei angesichts der zunehmenden Herausforderungen und der geltenden Rahmenbedingungen schlicht nicht mehr attraktiv. Der Aufgabenmix aus Ganztag, Inklusion, Digitalisierung, Schulentwicklung, multiprofessioneller Zusammenarbeit und Verwaltung sei nur durch übermäßiges Engagement zu bewältigen.
Ein zentraler Kritikpunkt auch der Lehrerverbände: Es gebe zu wenig bezahlte Leitungszeit – und die Vorbereitung auf die neue Rolle sei mangelhaft. Zwar sind für Neulinge bestimmte Schulungsmaßnahmen verpflichtend. „Aber da bekommt man nicht das notwendige Know-how, die Überlegenheit und Gelassenheit, durch Fachwissen, best practices und wissenschaftliche Evidenz zu sehen: Welcher Weg ist richtig? Wir müssen die Wege selbst finden“, kritisiert die Vorsitzende des bayerischen Schulleitungsverbands, Stefanie Horinek.
Außerdem hätten Schulleitungen zu wenig Zeit für ihre Führungsaufgaben, weil sie zu viel unterrichten müssten. „Schulleitung ist ein eigenständiger Beruf, ein mehr als den Tag ausfüllender Beruf, und man kann ihn nicht neben der Klassenleitung machen“, betont die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann.
Die Grünen wollen deshalb mehr Leitungszeit vor allem auch an den Grund-, Mittel- und Förderschulen. In den Grund- und Mittelschulen sollten zudem die an anderen Schularten schon etablierten erweiterten Schulleitungen eingeführt werden, bei denen die Leitung von einem Führungsteam unterstützt wird. Auch soll die Qualifizierung vor Amtsantritt verbessert und die Schulungen für neu berufene Spitzenkräfte regelhaft vor – statt wie bislang oft nach – dem Start besucht werden.
Ferner wollen die Grünen moderne Führungsmodelle wie Jobsharing – zwei Personen teilen sich den Posten – oder Teilzeitarbeit für sämtliche Schularten ermöglichen. Damit soll der Job auch für weibliche Lehrkräfte, die häufiger Teilzeit arbeiten als männliche, leichter möglich werden. Zudem sollen Frauen gezielt gefördert werden, um ihr Potenzial zu heben. Denn bislang sind sie gemessen am Geschlechterverhältnis unter den Lehrkräften an allen Schularten in den Schulleitungen unterrepräsentiert.











