Dem Richter fallen zuerst nur kleinere Unstimmigkeiten auf. Immer wieder wiederholt Schütt etwa die Frage, ob Gina H. auf Fabians Mutter eifersüchtig gewesen sei. Immer wieder wiegelt die Angeklagte ab. Momente später wird einer ihrer beiden Anwälte dazwischengehen. Sie sind es, die an diesem Tag die Spielregeln vorgeben. Sie entscheiden, wann Pausen notwendig sind – und wann die Fragen zu viel werden.
Richter im Mordfall Fabian hakt akribisch nach
Doch mit der sorgfältig vorbereiteten Einlassung von vor zweieinhalb Wochen haben sie dem Richter viel Material für Fragen geboten, das Schütt nun akribisch durchgeht. Der Richter wird bei Unstimmigkeiten zunehmend stutzig und verschärft den Ton. Warum Gina H. die Beziehung zu Fabians Vater nicht beendet habe, nachdem dieser ihren Aussagen zufolge gegenüber Fabian handgreiflich geworden sei. „Weil ich ihn ja trotzdem geliebt habe.“ Aber hätte er das mit ihrem eigenen Sohn gemacht, wäre er „hochkant rausgeflogen“, beteuert Gina H. Der Richter verweist auf ihre eigene Einlassung: Darin behauptete sie, Fabian sei wie ein eigener Sohn für sie gewesen. Galt das beim Thema Gewalt nicht? Gina H. spielt den Widerspruch herunter. „Die Beziehung zu Fabian war da noch nicht so eng.“
Es entwickelt sich ein mitunter fast munterer Schlagabtausch zwischen dem Richter und der Angeklagten, die um kaum eine Antwort verlegen ist. Als die Angeklagte dem Richter per Google Maps erklären soll, wo sie mit ihrem auffälligen Ford Ranger am 10. Oktober, dem Freitag, an dem Fabian starb, in Güstrow parkte, um angeblich Bankgeschäfte zu erledigen, und der Richter einmal falsch abbiegt, ist sie es, die ihn korrigiert: „Das ist rechts, nicht links. Also, ‚tschuldigung.“ Im Gerichtssaal lachen viele auf – Zuschauer, Journalisten, auch Gina H. selbst.
Erst Lacher im Fabian-Prozess – dann viele Widersprüche
Minuten später wird von dem Lachen nicht mehr viel übrig sein. Gina H. verstrickt sich zunehmend in Widersprüche, der Richter traktiert sie immer wieder mit ihren eigenen Aussagen. Besonders deutlich wird das, als es um den Ablauf des 10. Oktober geht, den Tattag. Gina H.s Version geht so: Sie habe Bankgeschäfte für ihre Großeltern in Güstrow erledigen wollen und sei deshalb in dem Ort gewesen. Dort angekommen sei ihr aufgefallen, dass sie ihr Portemonnaie und die Bankkarte vergessen hatte. Anschließend ging sie in den Wald spazieren und schickte ihrem Bekannten Christian D. ein Foto davon. Beleidigt, weil dieser nicht sofort antwortete, habe sie ihr Handy für mehr als eine Stunde lang ausgeschaltet. Anschließend habe sie ihr Handy wieder angeschaltet und sich mit Christian D. getroffen.










