Tief unter dem Eis
Gigantische Formation unter der Antarktis entdeckt
08.06.2026 – 13:49 UhrLesedauer: 3 Min.
Unter dem ostantarktischen Eisschild verbirgt sich offenbar eine Struktur von nahezu kontinentalem Ausmaß. Die Entdeckung verändert den Blick auf die Geschichte der Antarktis.
Tief unter dem kilometerdicken Eis der Ostantarktis haben Forschende eine geologische Struktur ausgemacht, die bislang nicht als zusammenhängendes System erkannt worden war: Jüngste Untersuchungen der Topografie unter dem Eis zeigen ein Netz niedrig gelegener, v-förmiger Becken. Gemeinsam bilden sie nach Einschätzung eines internationalen Forschungsteams eine fächerartige Formation von nahezu kontinentalem Ausmaß. Die Ergebnisse der Forschung wurden im Fachjournal „Nature Geoscience“ veröffentlicht.
Die Forschenden betitelten die Struktur als „East Antarctic Fan-Shaped Basin Province“ (EAFBP). Sie erstreckt sich von der Prydz Bay bis zum Transantarktischen Gebirge und reicht von der antarktischen Küste bis weit ins Landesinnere. Auf Karten sieht die Landschaft unter dem Eis wie ein Fächer aus: Die einzelnen Becken verlaufen fächerförmig und scheinen in einem Punkt nahe dem Südpol zusammenzulaufen.
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Eine Formation von nahezu kontinentalem Ausmaß
Mehrere dieser Becken dieses „Fächers“ waren bereits bekannt. Dazu zählen das Wilkes-Becken, das Aurora-Becken sowie jenes Becken, in dem sich der Wostoksee befindet – der größte bekannte See der Erde, der sich unter einem Gletscher befindet. Neu ist jedoch die Erkenntnis, dass diese Strukturen offenbar keine voneinander getrennten geologischen Einheiten sind.

Neue Sicht auf die Entwicklung Ostantarktikas
„Diese Forschungsarbeit hat es uns ermöglicht, Strukturen miteinander zu verknüpfen, die bislang als getrennt oder unabhängig voneinander galten“, schreibt Egidio Armadillo von der Universität Genua, Hauptautor der Studie. Die Erkenntnis, dass es sich um eine einzige kontinentale Struktur handelt, verändere das Verständnis der geologischen Entwicklung Ostantarktikas erheblich.
Nach Ansicht des Forschungsteams entstand die Formation durch eine großräumige Dehnung der kontinentalen Erdkruste, die von einem zentralen Punkt ausging. Die Forschenden sprechen von einer rotatorischen Dehnung innerhalb der Kontinentalplatte. Zur Veranschaulichung vergleichen sie den Prozess mit einer gespreizten Hand: Während ein Bereich weitgehend fest bleibt, bewegen sich andere Teile auseinander. Zwischen ihnen entstehen keilförmige Lücken – ähnlich den heute unter dem Eis liegenden Becken.
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