Angeblich wollte Infantino sich nicht mit „Institutionen“ anlegen
Nachdem die Pläne im April 2021 öffentlich geworden waren, distanzierte sich Infantino beim Uefa-Kongress im schweizerischen Montreux davon. Die Fifa lehne „die Gründung der Super League entschieden ab“, sagte der Weltfußball-Boss vor den Delegierten. Gegenüber Vertrauten soll Infantino damals gesagt haben, er habe keine Absicht, sich mit den übrigen „Institutionen des Fußballs“ anzulegen, wie der „Guardian“ unter Berufung auf Fifa-Kreise berichtet. Das nun bekannt gewordene Dokument legt jedoch nahe, dass er in Wirklichkeit ganz anders dachte.
Die Integrität des 56-Jährigen wird inzwischen von vielen Verantwortlichen in der Fußballwelt angezweifelt. Das jüngst gescheiterte WM-Projekt, das die Gründung einer kommerziellen Tochtergesellschaft namens Fifa Forward Enterprise (FFE) vorsah, war dafür nur der letzte Auslöser. Die Gesellschaft sollte Wettbewerbe wie die WM und die Klub-WM vermarkten. Private Investoren hätten bis zu 20 Prozent der Anteile übernehmen können. Doch Infantino band die Mitgliedsverbände offenbar nicht in den Plan ein, informierte sie erst spät über das Vorhaben.
Auf der Grundlage einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar (17,3 Milliarden Euro) wollte die Fifa bis zu 4,2 Milliarden Dollar einnehmen. Zu den möglichen Investoren zählten auch Mitglieder der Familie des US-Präsidenten Donald Trump – und erneut auch JP Morgan. Es ist bereits das zweite Mal nach dem Super-League-Debakel 2021, dass die US-Bank sich an einem Fußball-Investment versucht, das krachend scheitert.
Die Pläne führten zu viel Kritik am Fifa-Boss, unter anderem, weil dieser den Mitgliedsverbänden eine extrem kurze Frist zur Annahme des Investorenplans gesetzt hatte. Von „Erpressung“ war unter Experten die Rede. In den vergangenen Tagen sah sich Infantino einem schwindenden Rückhalt nicht nur durch die Uefa, sondern auch weiterer mächtiger Kontinentalverbände ausgesetzt.
Nun versicherte sich der Schweizer beim Krisentreffen in Marokko zumindest der Rückendeckung seiner eigenen Leute. In einer Stellungnahme der Fifa wird die „hervorragende Arbeit der Fifa-Administration“ gelobt. Der Weltverband lobt sich also selbst, gibt jedoch zu, dass „das Vertrauen in die Organisation wiederhergestellt werden“ müsse und verspricht „gleichzeitig die Mission der weltweiten Entwicklung des Fußballs fortzusetzen“. Offenbar möchte man bei der Fifa zum Tagesgeschäft zurückkehren.
Fifa räumt Fehler ein
Zuvor war Infantino bereits im Stadion in Rabat lächelnd und winkend auf der Tribüne beim Afrika-Cup-Gruppenspiel der Frauen zwischen Malawi und Sambia (0:2) gesehen worden. Direkt neben ihm saß Fifa-Generalsekretär Mattias Grafström, der sich am Dienstag laut übereinstimmenden Medienberichten in einem internen Schreiben noch von Infantino distanziert haben soll.











