Preis ist Verhandlungsbasis

Gemeinde verkauft komplette Barockkirche bei Kleinanzeigen


Aktualisiert am 20.04.2026 – 15:38 UhrLesedauer: 2 Min.

Die historische Barockkirche in Erfurt: Lange war sie ein geistlicher und kultureller Ort für die Stadt, jetzt soll eine neue Nutzung gefunden werden. (Quelle: Stadtpfarrei St. Laurentius)

Was wird hier wohl der letzte Preis sein? In Erfurt will eine Pfarrei mehrere ihrer sieben Gotteshäuser loswerden. Eine der Kirchen steht im Internet zum Verkauf.

Die Erfurter St.-Laurentius-Gemeinde bietet derzeit eine komplette Kirche im Internet zum Verkauf an. Inseriert ist das barocke Gotteshaus „aus dem 18. Jahrhundert mit deutlich älteren Wurzeln“ für 98.765 Euro.

Aber der Preis ist verhandelbar, laut MDR ist er eher symbolisch gemeint: „Gesucht werden Konzepte, die den besonderen Charakter des Ortes respektieren“, heißt es in der Annonce. Denkbar seien „spirituelle, kulturelle, soziale oder bildungsbezogene anschlussfähige Nutzungen sowie Kombinationen daraus“. Neben einem Verkauf seien auch Erbpachtmodelle oder andere langfristige Lösungen vorstellbar. Wichtig seien vor allem ein „sensibler Umgang“ und “ Respekt“.

Laut Pfarrei ist die Kirche denkmalgeschützt. Die Gemeinde preist besonders die vollständig erhaltene barocke Innenausstattung an. Hervorzuheben sei die historische Orgel des Thüringer Orgelbauers Franciscus Volckland. Es handele sich um „eines der bedeutendsten Barockinstrumente Mitteldeutschlands, mit hoher klanglicher und kulturhistorischer Qualität“. Der Kirchenraum verfüge über eine sehr gute Akustik, heißt es weiter. Die Kirche liege ruhig und zentral in der Erfurter Altstadt.

Wieso möchte eine Kirchengemeinde ein solches „Prunkstück“ loswerden, wie Sebastian Ulbrich, Mitglied im Kirchenvorstand der Erfurter Innenstadtpfarrei St. Laurentius, das Gotteshaus nennt? Der Grund ist einfach: Das Gebäude ist sanierungsbedürftig und kostet Geld, das knapper wird. Denn die Gemeinde schrumpft seit Jahren, wie der „Spiegel“ berichtet: 2020 hatte die Pfarrei noch rund 8.500 Mitglieder, 2025 waren es nur noch 7.100.

Insgesamt vier ihrer bisher sieben Kirchen stoße die Gemeinde deshalb nun ab. Die Pfarrei wolle sich „auch finanziell weniger um Steine kümmern und mehr um die eigentliche Gemeindearbeit: Seelsorge, Gottesdienste, Gemeindeleben“, erklärte Ulbrich dem „Spiegel“.

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