Der Fluch des „weißen Goldes“
Diese Fachwerk-Perle versinkt – und niemand kann es stoppen
14.06.2026 – 12:17 UhrLesedauer: 2 Min.
Früher brachte das „weiße Gold“ Reichtum und Wohlstand, heute wird es immer mehr zum Problem. Warum dieses Fachwerk-Kleinod nahe Hamburg immer tiefer rutscht.
Wer durch die Altstadt von Lüneburg spaziert, bemerkt es oft erst auf den zweiten Blick. Türen hängen schief in den Rahmen, Fachwerkhäuser neigen sich zur Seite, Straßen verlaufen plötzlich bergab. Tatsächlich bewegt sich der Boden unter Teilen der Hansestadt bis heute – und zwar deutlich.
In einigen Bereichen des sogenannten Senkungsgebiets sackt der Untergrund jedes Jahr um mehrere Zentimeter ab. An besonders betroffenen Stellen wurden in der Vergangenheit sogar jährliche Absenkungen von bis zu 17 Zentimetern gemessen. Noch heute gehört Lüneburg zu den wenigen Städten Deutschlands, in denen sich die Folgen eines jahrhundertealten Rohstoffabbaus so deutlich zeigen.
„Weißes Gold“ brachte Reichtum – Stadt zahlt jetzt den Preis
Der Grund liegt tief unter der Altstadt. Lüneburg verdankte seinen Reichtum einst dem Salz. Über Jahrhunderte wurde Sole aus dem Untergrund gefördert und zu Salz verarbeitet. Das „weiße Gold“ machte die Stadt zu einer der wohlhabendsten Hansestädte Norddeutschlands. Doch der wirtschaftliche Erfolg hatte einen Preis.
Durch das Abpumpen der salzhaltigen Sole entstanden unterirdische Hohlräume. Diese verändern sich bis heute. Gestein rutscht nach, der Untergrund verdichtet sich – und an der Oberfläche senkt sich der Boden langsam ab. Das Phänomen betrifft vor allem den Bereich zwischen dem Deutschen Salzmuseum und dem Kalkberg. Dort befindet sich das sogenannte Senkungsgebiet.
Die Folgen sind in der Altstadt unübersehbar. Historische Häuser weisen Risse auf, manche stehen sichtbar schief. Einige Gebäude mussten bereits aufgegeben oder sogar abgerissen werden. Anwohner sicherten Häuser mit Stahlträgern und Betonankern. Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Entwicklung in der Straße „Auf dem Meere“, wo frühere Eingänge heute deutlich tiefer liegen als noch vor Jahrzehnten.
Hunderte Messpunkte überwachen Absenkung
Auch bedeutende Bauwerke blieben nicht verschont. In der Michaeliskirche sind die Auswirkungen bis heute sichtbar. Schiefe Säulen und Verformungen im Bauwerk erinnern daran, dass sich der Untergrund weiter bewegt.
