In seiner Bundestagsrede am Mittwoch schimmert ein solcher Versuch ein paar Mal durch, aber erst zum Schluss, als er doch mal wieder in den Redetext schaut. Zum Beispiel, als Merz, der die Gewerkschafter einmal belehrt hat, die Rentenreform sei „keine Bösartigkeit“, sondern „Demografie und Mathematik“, nun sagt: „Reformen sind nicht Volkswirtschaftslehrbuch und sind auch nicht nur Mathematik.“ Sie dienten auch „dem Zusammenhalt“.
Eine verbale Rauferei
Doch es sind eben nur wenige der fast dreißig Minuten, in denen Friedrich Merz an diesem Tag so klingt. Der Rest seiner Rede ist ein Abarbeiten an der AfD, kein Aufbereiten der eigenen Politik. Kein Werben, sondern Wut.
Es kommt mehrfach zu Tumulten. Irgendwann sagt Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zur AfD: „Wir sind hier jetzt nicht auf dem Fußballplatz.“ Wenn es so weitergehe, „schmeiße ich Sie hier raus, mir reicht es jetzt hier“.
Bei so gut wie jedem Thema, das Merz anspricht, sucht er das Wortgefecht. Als er nach knapp zwanzig Minuten auf einmal über die Nutzung Künstlicher Intelligenz spricht und jemand von der AfD reinruft, wie das denn gehen solle, antwortet Merz: „Ja, vor allen Dingen, wie soll das gehen ohne jede natürliche Intelligenz?“
Den Höhepunkt erreicht Merz‘ verbale Rauferei, als er über die Sorgen des Mittelstands spricht. Über deren Belastungen durch Energiekosten, aber auch ihre Sorgen um Arbeitskräfte. Im Handwerk, sagt Merz, arbeiteten Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, jeder sechste Beschäftigte dort habe einen ausländischen Pass.
Wenn wahr werde, sagt Merz, was die AfD wolle, nämlich „Remigration“, dann könne das Handwerk nicht mehr arbeiten und auch kein einziges Pflegeheim, kein Krankenhaus und keine Gaststätte. „Das Wort ‚Remigration‘ ist nichts anderes als ein Synonym für ethnische Säuberung nach Herkunft und Hautfarbe.“
Ein schwacher Trost
So sehr die Worte des Faustkampf-Kanzlers damit gewachsen sind, so sehr scheinen seine Ziele zusammengeschrumpft zu sein. Jedenfalls formuliert er sie bemerkenswert klein, schon zu Beginn seiner Rede. Merz sagt zu den 43,8 Prozent der AfD in Sachsen-Anhalt, das sei ja ein „in jeder Hinsicht bemerkenswertes Wahlergebnis“ gewesen. Doch das eigentliche Wahlziel habe die AfD nicht erreicht.
„56 Prozent der Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt haben Sie nicht gewählt!“, ruft Merz. Die absolute Mehrheit habe die AfD nicht und werde sie in Deutschland auch nicht erzielen. „Nirgendwo in Deutschland werden Sie mit dieser Politik die Mehrheiten bekommen!“ Es klingt fast triumphierend, dabei müsste es ein schwacher Trost sein für einen Mann, der vor nicht allzu langer Zeit die AfD noch halbieren wollte.











