Hartung selbst weist den Vorwurf zurück, ein Neonazi oder Extremist zu sein. Dem MDR sagte er im Wahlkampf: „Ich werde die Demokratie nicht abschaffen, sondern ganz im Gegenteil – ich werde die Demokratie stärken.“ Auf die Frage der „Bild“-Zeitung, ob er ein Nazi sei, wich er aus. Solche Fragen kämen nur „von der Presse“, sagte er. Zu seiner Mitgliedschaft in der früheren NPD erklärte er: „Da gibt es keinen Grund, einen Schlussstrich zu ziehen.“
Der Postplatz prägt den Wahlkampf
In Aue-Bad Schlema tritt Hartung als Kandidat auf, der Ordnung, Sicherheit und einen Bruch mit der bisherigen Stadtpolitik verspricht. Dabei spielt der Postplatz im Zentrum eine wichtige Rolle, wo Busse halten und Geschäfte, Schule und Bürgerhaus nahe beieinander liegen. Zugleich versammelten sich dort wiederholt Gruppen junger migrantischer Männer.
Die Polizei listet den Postplatz als „gefährlichen Ort“. Allein 2024 gab es dort sechs Fälle von Messerkriminalität und insgesamt 94 Straftaten. Die Stadt reagierte mit einem symbolischen „Asylnotstand“, dem im Stadtrat auch CDU und Linke zustimmten. Die Polizei verstärkte ihre Präsenz. Nachdem 2025 mehrere junge Intensivtäter in Untersuchungshaft oder in Heime gekommen waren, beruhigte sich die Lage.
Dennoch dient der Platz Hartung und seinen Unterstützern als Symbol für eine verfehlte Migrations- und Sicherheitspolitik. Der Ausländeranteil in Aue-Bad Schlema liegt bei rund neun Prozent; vor zwei Jahrzehnten waren es rund ein Prozent. Deutschlandweit liegt der Anteil bei 14,8 Prozent.
Hoffmann gilt als unbeschriebenes Blatt
Hartungs Gegner Marcus Hoffmann ist 41 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er arbeitet in der Stadtverwaltung, doch gilt Hoffmann politisch als unbeschriebenes Blatt. Erst seit kurzer Zeit ist er Mitglied der CDU.
Unterstützung erhält Hoffmann im zweiten Wahlgang auch von Kandidaten, die nicht mehr antreten. Die Linke und die Freien Wähler stellten sich gegen Hartung. Hoffmann selbst sagte der „Freien Presse“, er rechne mit einem engen Ergebnis.
Die AfD gab keine Wahlempfehlung ab. Ihr Kandidat Lars Bochmann hatte im ersten Wahlgang 18,5 Prozent erreicht und tritt nun nicht mehr an. Die „Freien Sachsen“ warben danach mit blau gestalteten Plakaten und der Parole „Wir wählen Hartung“ offenbar um AfD-Wähler.












