Marcel Fratzscher
Top-Ökonom: „Deutschland hat zu wenig Unternehmergeist“
23.04.2026 – 10:15 UhrLesedauer: 3 Min.
Carsten Maschmeyer schlägt ein „Experimentierjahr“ für Gründer vor – finanziell abgesichert durch den Staat. Top-Ökonom Marcel Fratzscher stellt sich hinter die Idee – und fordert ein Umdenken bei Risiko.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat den Vorstoß von Investor Carsten Maschmeyer für ein staatlich gefördertes „Experimentierjahr“ ausdrücklich begrüßt. „Maschmeyers Vorschlag ist klug, weil er ein echtes Problem adressiert“, sagte Fratzscher. „Wir haben in Deutschland zu wenig Unternehmergeist und vor allem ein ungesundes Verhältnis zum Risiko.“
Damit stellt sich der Top-Ökonom hinter die zentrale Diagnose des Star-Investors. Maschmeyer hatte zuvor gewarnt, Deutschland sei ein „Restrukturierungsfall“ und strukturell nicht ausreichend auf Zukunftstechnologien vorbereitet.
Mit seinem Konzept eines „Experimentierjahres“ will er mehr Menschen dazu bewegen, eigene Geschäftsideen zu verfolgen – abgesichert durch staatliche Unterstützung in Form eines Grundeinkommens, einer Sozialversicherung und einer Rückkehrgarantie.
Fratzscher teilt insbesondere Maschmeyers Analyse der wirtschaftlichen Lage. „Risiko ist in einer Phase wirtschaftlicher Transformation unvermeidbar“, betonte er. „Niemand weiß im Voraus, welche Idee sich durchsetzt, welches Unternehmen erfolgreich sein wird und was am Ende verschwindet. Aber genau darin liegt der Kern von Fortschritt: Neues kann oft nur entstehen, wenn Altes weicht“, sagte Fratzscher. In Deutschland werde dieses Prinzip jedoch häufig verkannt.
Der DIW-Chef kritisierte eine tief verankerte Skepsis gegenüber unternehmerischem Wagnis. „In Deutschland wird Risiko zuoft nicht als Chance, sondern als Gefahr verstanden. Das bremst uns“, sagte er. Es brauche ein Umdenken: „Wir müssen wieder lernen, Risiko auch positiv zu sehen – als Voraussetzung für Innovation, Wachstum und Erneuerung.“
Vor diesem Hintergrund bewertet Fratzscher auch konkrete politische Maßnahmen positiv. „Deshalb ist es richtig, Menschen stärker zu ermutigen, etwas zu wagen, und sie dabei auch staatlich zu unterstützen“, sagte er. „Ein Experimentierjahr kann ein sinnvolles Element sein.“
Zugleich verweist Fratzscher darauf, dass der Ansatz nicht völlig neu ist. „Im Grunde gab es mit der Ich-AG ja schon einmal einen ähnlichen Ansatz, Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit zu erleichtern“, sagte er. Die damaligen Programme hätten gezeigt, dass staatliche Impulse für Gründungen funktionieren können. „Die Idee, Gründungen staatlich anzuschieben, ist nicht neu. In der heutigen Zeit, in der die Konjunktur am Boden ist und sich das deutsche Wirtschaftsmodell radikal wandeln muss, kommt sie aber genau richtig.“












