Erstaunliche Studie zu Walen
„Ein Moment voller Demut“
16.04.2026 – 02:08 UhrLesedauer: 2 Min.
Forscher haben verblüffende Parallelen zwischen Wal-Lauten und menschlicher Sprache entdeckt.
Forscher haben eine faszinierende Entdeckung bei Meeressäugern gemacht. Sie untersuchten das Verhalten von Pottwalen vor der Küste der Karibikinsel Dominica – und fanden heraus, dass ihre Kommunikation strukturelle Ähnlichkeiten mit menschlicher Sprache aufweist.
Demnach können Wale deutlich komplexer kommunizieren als bislang angenommen: Die Tiere kombinieren ihre Klicklaute der Studie zufolge so, dass sie eine Art „Alphabet“ bilden und Vokale erzeugen. „Die Struktur der Wal-Kommunikation weist enge Parallelen zur Phonetik und Phonologie menschlicher Sprachen auf“, heißt es in der im Fachjournal „Proceedings B“ veröffentlichten Studie, an der das internationale Forschungsprojekt CETI beteiligt ist.
Die kurzen Klickserien, sogenannte Codas, seien demnach weit mehr als einfache Signale. Forschende hätten festgestellt, dass Wale Tonhöhen variieren und Laute verlängern oder verkürzen, um Bedeutungen zu unterscheiden – ähnlich wie Menschen Vokale formen. Die Muster erinnerten teilweise an Sprachsysteme wie Mandarin oder Slowenisch.
CETI studiert seit Jahren Pottwale. Mithilfe moderner Technik und künstlicher Intelligenz gelingt es zunehmend, die bislang rätselhaften Laute zu entschlüsseln.
Projektleiter David Gruber erklärte der britischen Tageszeitung „Guardian“, es handle sich um einen „Moment voller Demut“. Der Mensch sei offenbar nicht die einzige Spezies mit komplexen sozialen und kulturellen Kommunikationsformen. Wale könnten Informationen über Generationen weitergeben – möglicherweise seit Millionen Jahren.
Besonders bemerkenswert: Die Tiere „unterhalten“ sich vor allem nahe der Wasseroberfläche, wo sie sich nur kurz aufhalten. Dort schwimmen sie dicht beieinander, fast Kopf an Kopf. Gruber sagte, sie klickten „direkt ineinander“, als würden sie ein vertrauliches Gespräch führen.
Die Analyse habe gezeigt, dass die Wal-Laute mehrere miteinander verknüpfte Strukturebenen enthalten. Der Verhaltensökologe Mauricio Cantor, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte dem „Guardian“, man beginne gerade erst zu verstehen, wie komplex diese Signale organisiert seien. Auch in ihrem Sozialverhalten zeigten sich Parallelen: Pottwale lebten in Familienverbänden, kümmerten sich gemeinsam um Nachwuchs und unterstützten sich sogar bei Geburten.
Langfristig hoffen die Forschenden, konkrete Bedeutungen einzelner Lautmuster zu identifizieren – etwa für Aktivitäten wie Tauchen oder Schlafen. Innerhalb von fünf Jahren wolle man rund 20 solcher „Ausdrücke“ verstehen.











