Seltener Harninkontinenz oder Erektionsstörungen
Schonendere Therapie gegen Prostatakrebs sehr effektiv
18.07.2026 – 16:12 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Fokale Therapie gilt als schonender bei Prostatakrebs, aber auch als weniger effektiv als großflächigere Operationen. Eine neue Studie stellt diese Annahme nun infrage.
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. In vielen Fällen beschränkt sich der Tumor zunächst auf die Prostata. Bisher erhalten Betroffene dann meist eine Operation, bei der die gesamte Prostata entfernt wird, oder eine Bestrahlung des gesamten Organs.
Beide Verfahren gelten als wirksam, können jedoch dauerhafte Folgen wie Harninkontinenz oder Erektionsstörungen nach sich ziehen. Eine jetzt im Fachjournal „European Urology“ veröffentlichte Langzeitstudie zeigt, dass die sogenannten fokalen Therapien – minimalinvasive Behandlung – für ausgewählte Patienten eine wirksame Alternative sein könnte.
Mit Ultraschall oder Kälte gezielt gegen den Tumor
Für die Untersuchung werteten Forscher des Imperial College London die Daten von 3.477 Männern aus, die zwischen 2004 und 2024 an 14 Zentren in Großbritannien behandelt worden waren. Alle Teilnehmer hatten einen Prostatakrebs, der sich noch nicht auf andere Organe ausgebreitet hatte.
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Die Ärzte setzten entweder einen hochintensiven fokussierten Ultraschall (HIFU) oder eine Kryotherapie ein – beide gehören zu den fokalen Therapien. Bei HIFU zerstören stark gebündelte Ultraschallwellen das Tumorgewebe durch Hitze. Die Kryotherapie arbeitet dagegen mit extremer Kälte. Beide Verfahren behandeln nur den Tumor und schonen möglichst viel gesundes Prostatagewebe.
Ähnlich effektiv wie klassische Prostata-Therapien
Die Ergebnisse nach zehn Jahren fallen vielversprechend aus. Nur zwei Männer der gesamten Studiengruppe starben an ihrem Prostatakrebs. Das entspricht einer krebsbedingten Sterblichkeit von 0,13 Prozent. Bei lediglich 3,3 Prozent der Patienten hatte sich der Krebs in diesem Zeitraum außerhalb der Prostata ausgebreitet. Nach Angaben der Autoren liegen diese Werte auf einem ähnlichen Niveau wie nach einer vollständigen Prostataentfernung oder einer Bestrahlung.
Dabei litt knapp die Hälfte der Teilnehmer an einem Prostatakrebs mit mittlerem Risiko, fast jeder Vierte sogar an einer ungünstigeren Form mit mittlerem Risiko. Ein weiteres Viertel hatte bereits einen Hochrisiko-Tumor. Trotzdem blieb die Krebskontrolle langfristig sehr gut.
Weniger Nebenwirkungen als bei Standardtherapie
Ein weiterer Vorteil der gezielten Therapie liegt in den geringeren Nebenwirkungen. Weil Ärzte nur den Tumor behandeln und nicht die gesamte Prostata, bleiben umliegende Nerven, Muskeln und gesundes Gewebe häufiger erhalten. Nach Angaben der Studienautoren sinkt dadurch das Risiko für Harninkontinenz, Erektionsstörungen und Beschwerden am Enddarm auf etwa ein Fünftel im Vergleich zu einer Operation oder Bestrahlung.
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Wichtiger Baustein, aber kein Ersatz für Standardtherapien
Allerdings benötigen manche Patienten später eine weitere Behandlung. In der Studie erhielt etwa jeder dritte Mann im Verlauf der zehn Jahre erneut eine Therapie. Dabei entschieden sich einige Patienten direkt für eine Operation oder Bestrahlung, obwohl sie grundsätzlich noch eine zweite gezielte Behandlung hätten bekommen können. Betrachteten die Forscher nur Männer, die das vorgesehene Behandlungskonzept mit bis zu zwei gezielten Eingriffen vollständig ausschöpften, benötigte lediglich etwa jeder Zehnte anschließend doch noch eine Operation oder Bestrahlung.












