
Neben dem „Schnieder-Effekt“ gibt es noch andere Gründe für die sinkende Zahl von Anmeldungen neuer Fahrschüler. „Wir beobachten bereits seit Beginn des Jahres 2025 einen deutlichen Rückgang der Anmeldezahlen in den Fahrschulen des Landes“, sagte Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg. Dieser Rückgang sei in erster Linie auf die schlechte wirtschaftliche Lage im Land zurückzuführen. Das führe aus Sicht des Verbands dazu, dass etliche potenzielle Führerscheinbewerber – und deren Eltern – die Ausgabe für eine Fahrausbildung derzeit auf die lange Bank schieben.
In der Kritik steht, dass die Pflicht zum Präsenzunterricht abgeschafft werden soll. „Wenn man beim Theorieunterricht auf Online-Schulung statt auf Präsenz setzt, ist der Lerneffekt schwächer – das dürfte dazu führen, dass mehr Menschen durch die Theorieprüfung fallen als bislang“, sagte Bartels.
Kritik gibt es auch daran, dass es weniger verpflichtende Sonderfahrten geben soll. Nuthmann: „Simulatoren können unterstützen, aber sie ersetzen keine reale Autobahnfahrt bei 120 km/h, keine Dunkelheit, keine Witterungseinflüsse und keine echten Verkehrsdynamiken.“
Es sei nicht ansatzweise belegt, dass die Preise sinken würden, sagte Boßlet. Auch Bartels hat starke Zweifel, ob die Preise durch eine Reform überhaupt sinken würden. „Wenn eine Fahrschule sich künftig einen Simulator kaufen muss, in dem ein Teil der Fahrausbildung erfolgen soll, dann muss sie dafür 30.000 bis 40.000 Euro ausgeben.“ Um Geld zu sparen, könnten sich Fahrschulen nicht verkleinern und in ein kleineres Büro umziehen. Schnieder sagte in der ARD, er schreibe den Fahrschulen nicht vor, was sie zu tun und zu lassen hätten – sondern schaffe Möglichkeiten, die den Führerschein günstiger machen würden.
„Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer verlieren ihre Arbeitsplätze oder sehen sich gezwungen, ihre bisherigen Fahrschulen zu verlassen und in andere Betriebe zu wechseln, die noch über ausreichende Auslastung verfügen“, so Nuthmann vom Fahrlehrerverband Sachsen-Anhalt. „Viele Fahrschulen arbeiten derzeit weit unterhalb ihrer wirtschaftlichen Belastungsgrenze. Fixkosten wie Fahrzeuge, Versicherungen, Personal, Energie und Mieten laufen unverändert weiter, während die Einnahmen drastisch sinken. Besonders kleinere Betriebe im ländlichen Raum verfügen oft nicht über ausreichende finanzielle Reserven, um solche Einbrüche über längere Zeit abzufedern.“










