Ästhetik, Hygiene, Sexualität: Unser Hintern bietet ganz viele Reizthemen. Warum das so ist und warum uns das juckt, erklärt unsere Expertin Yael Adler.
Vor Jahren wurde in Frankreich eine ältere Dame interviewt, die sich zügig auf ihren 100. Geburtstag zubewegte. „Ich habe nur eine einzige Falte“, verkündete sie stolz: „Ich sitze drauf!“ Schön, wer das von seinem Po sagen kann. Mitunter nämlich ist es gar nicht so einfach, sich auf Dauer ein Po-sitives Verhältnis zu dieser Körperpartie zu bewahren: Die große Analfalte ist unter all unseren Körperfalten eine Art Diva – auch wenn sie von uns vorwiegend im Dunkeln gehalten wird.
Unsere rückwärtige Körperöffnung weckt die unterschiedlichsten Assoziationen. Für die einen ist es nur der gut versteckte diskrete Hinterausgang, den feste Stoffwechselprodukte nehmen, wenn sie unseren Körper, respektive Darm, verlassen.
Andere sehen im Anus lediglich ein hygienisches Problem, fürchten Geruchsbelästigung oder Bremsspuren in der Unterwäsche. Wieder andere betrachten ihn fröhlich als Sexualorgan, in dem man allerhand Spaß haben kann, besonders wegen der durch ihre vielen Nervenfasern empfindlichen Haut um den Analring. Keine Krisenregion, sondern eine erogene Zone!

Zur Person
Dr. med. Yael Adler ist Fachärztin für Dermatologie, Venerologie, Phlebologie und Ernährungsmedizin (DGEM). Seit 2007 praktiziert sie in ihrer eigenen Praxis in Berlin. Ihr Talent, komplexe medizinische Sachverhalte anschaulich und unterhaltsam zu vermitteln, stellt sie seit Jahren in Vorträgen, Veranstaltungsmoderationen und den Medien unter Beweis. Über Prävention und Therapien spricht sie regelmäßig in ihrem Podcast „Ist das noch gesund?“. Ihre Bücher „Haut nah“ und „Darüber spricht man nicht“ standen auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Mit ihrem letzten Buch „Genial vital! – Wer seinen Körper kennt, bleibt länger jung“ durfte sich die leidenschaftliche Ärztin erneut über diese Spitzenplatzierung freuen.
Ein sehr sensibler Ort
Ganz gleich, wie wir zu unserer Hinterpforte stehen: Ihre reichhaltige Bakterienflora, die Menge an Duft- und Schweißdrüsen, der reibende Haut-auf-Haut-Kontakt bei Bewegung sowie das Hygieneverhalten rund um den Po sorgen dafür, dass die Analfalte ein sehr sensibler und anfälliger Ort ist.
Es gibt also kaum ein Körperteil, bei dem die Gegensätze so nah beieinanderliegen: Ein schöner Po ist sowohl für Frauen als auch für Männer ein absoluter Hingucker und ein möglicher Auslöser für sexuelle Begierde. Wir verbinden mit ihm Erotik, assoziieren mit einem knackigen Männerpo eine gute Potenz und mit sehr weiblichen Rundungen ein gebärfreudiges Becken. Und doch gibt es eine Seite am Po, über die man nicht so gerne spricht. Zum Beispiel, wenn es unangenehm riecht oder dort gar juckt.
Wenn’s stinkt, gehen wir in den Selbstschutzmodus
Übler Geruch besitzt für uns generell eine Alarmfunktion. Wenn es irgendwo stinkt, gehen wir in Deckung. Gestank signalisiert, dass Gefahr lauert. Wo es mieft, besteht potenziell ein Risiko für Krankheit. Als archaisches Wesen schaltet der Mensch sofort in den Selbstschutzmodus, er atmet flach oder hält die Luft an, neigt sogar zur Flucht. Die Pupse, die jemand Fremdes etwa im Aufzug hinterlassen hat, sind ein wahrer Alptraum für unser Riechorgan. Nur unsere eigenen Duftmarken sind davon interessanterweise ausgenommen.
Wie gesagt: Die Ästhetik und Erotik des Körperteils Po stehen in krassem Kontrast zu dem, was wir sonst noch damit verbinden. Nahezu jeder Mensch macht im Leben mindestens einmal Bekanntschaft mit Juckreiz am Po, aber kaum einer spricht darüber – ein Tabuthema in einer Tabufalte.












