Streit zwischen Alpennachbarn
Österreich-Flagge löst Eklat in Italien aus
Aktualisiert am 27.10.2026 – 10:42 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine Grenze trennt zwei Länder, aber nicht unbedingt ihre Geschichte. Wie brisant das bis heute ist, zeigt ein Aufmarsch in Norditalien. Die Reaktionen fallen ungewöhnlich heftig aus.
Eines Abends wird in Norditalien eine große österreichische Flagge gehisst – und ein Politiker zieht Parallelen zum Nationalsozialismus. Was als Traditionsfeier begann, hat in Südtirol eine politische Kontroverse ausgelöst. Am Sonntagabend zogen 1.000 Schützen durch Bozen; 14 Männer trugen eine große rot-weiß-rote Fahne zum zentralen Waltherplatz, wo sie schließlich gehisst wurde. Dazu erklang feierliche Musik. Der Anlass: Es war der Vorabend von Österreichs Nationalfeiertag.
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Die Südtiroler Schützen wollten mit der Veranstaltung ihre Verbundenheit „mit dem österreichischen Vaterland“ zeigen, wie der konservative Schützenbund auf Facebook schreibt. Landeskommandant Christoph Schmid bezeichnete den „Großen Österreichischen Zapfenstreich“ im Sender Rai als „eines der beeindruckendsten militärmusikalischen Zeremonielle in unserem Land“.
Die enge Verbindung hat historische Gründe: Südtirol gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zu Österreich-Ungarn und wurde anschließend Italien zugesprochen. Unter dem faschistischen Diktator Benito Mussolini wurde die deutschsprachige Bevölkerung zunehmend unter Druck gesetzt. Ihre Sprache und Kultur wurden systematisch zurückgedrängt.
Streit über Südtirol: Politiker kontert
Heute verfügt Südtirol über weitreichende Autonomierechte. Deutsch ist neben Italienisch und Ladinisch Amtssprache. Ob Sprache, Blaskapellenmusik oder Tracht: Viele fühlen sich weiterhin eng mit Österreich verbunden.
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Für Alessandro Urzì, einen Südtiroler Abgeordneten der italienischen Regierungspartei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens) von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, ging die Feier dennoch zu weit. Er bezeichnete den Aufmarsch auf Facebook als nationalistische Provokation und zog einen Vergleich zur nationalsozialistischen Anschlussidee. Wer territoriale Ansprüche stellen wolle, solle dies in Wien oder Innsbruck tun – nicht auf einem Platz in Bozen, argumentierte er. Die Schützen seien ein „kleines Volk von Verzweifelten in Tracht“, das sich gelegentlich treffe, um mit düsterem Schritt Armeen nachzuahmen.
In den sozialen Medien gab es hingegen unterstützende Reaktionen. Mehrere Nutzer schrieben: „Südtirol ist nicht Italien.“ Rückendeckung kam auch aus Österreich. Der Südtirol-Sprecher der rechten FPÖ, Christofer Ranzmaier, sprach von einem „herabwürdigenden Behördentheater“. „Südtirols Verbundenheit mit Österreich ist keine genehmigungspflichtige Gesinnung“, erklärte er.










