So schützen Sie sich
Tachobetrug weitet sich auf neue Antriebe aus
09.07.2026 – 16:05 UhrLesedauer: 3 Min.
Wer einen Gebrauchtwagen kauft, sollte sich nicht allein auf den Kilometerstand verlassen. Eine neue Auswertung zeigt, welche Antriebe von Manipulationen betroffen sind und wie sich Käufer schützen können.
Wer einen Gebrauchtwagen kauft, verlässt sich oft auf den Kilometerstand. Doch der lässt sich manipulieren – und das längst nicht mehr nur bei Verbrennern. Eine Auswertung des Fahrzeugdaten-Unternehmens Carvertical zeigt: Auch bei Elektro- und Hybridautos werden gefälschte Kilometerstände festgestellt. Angesichts der zunehmenden Verbreitung dieser Antriebsarten dürfte das wenig überraschen.
Für die Analyse wertete Carvertical Berichte von Fahrzeugen aus, die Firmenkunden zwischen Januar 2024 und März 2026 in Deutschland gekauft hatten. Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Antriebsart deutlich. Doch wer meint, moderne Antriebe seien nicht betroffen, irrt sich.
Am häufigsten betrogen wird weiterhin bei Dieseln. Rund zwei Prozent der überprüften Fahrzeuge wiesen einen manipulierten Kilometerstand auf. Im Durchschnitt wurde der Tacho um rund 84.000 Kilometer zurückgedreht. Angesichts der hohen Laufleistungen von Dieselfahrzeugen im Geschäftsbetrieb ist das ein relevanter Anteil. Bei Benzinern lag die Quote mit 1,7 Prozent etwas niedriger. Wurde manipuliert, fehlten im Durchschnitt rund 50.000 Kilometer.
Hybridfahrzeuge fielen mit einer Quote von 1,1 Prozent seltener auf. Kam es zu einer Manipulation, wurde der Kilometerstand jedoch im Schnitt um rund 65.000 Kilometer zurückgedreht – deutlich mehr als bei Benzinern. Bei reinen E-Autos wurde bei rund einem Prozent der untersuchten Fahrzeuge ein manipulierter Kilometerstand festgestellt. Im Durchschnitt fehlten hier rund 43.000 Kilometer.
Warum auch E-Autos für Betrüger interessant sind
Eine hohe Laufleistung kann ein Hinweis auf stärkeren Batterieverschleiß sein und wirkt sich häufig auf den Fahrzeugwert aus. Für unseriöse Verkäufer entsteht dadurch ein Anreiz, den Kilometerstand zu manipulieren und das Fahrzeug wertvoller erscheinen zu lassen. Über Schnittstellen im Auto oder spezielle Programmiergeräte lassen sich die Kilometerstände verändern. Teils manipulieren die Täter sogar mehrere Steuergeräte im Auto gleichzeitig, über die Rückschlüsse auf die tatsächliche Laufleistung des Autos gezogen werden könnten, berichtet „Auto Bild“.
Diese Marken waren laut Auswertung besonders häufig betroffen
Grundlage sind die von Carvertical ausgewerteten Fahrzeugberichte. Bei den Elektroautos weist Renault mit einer Manipulationsquote von 2,7 Prozent den höchsten Wert auf. Es folgen Opel (1,8 Prozent), Tesla (1,6 Prozent), Volkswagen (1,4 Prozent) und Seat (1,4 Prozent).
Bei den Hybridfahrzeugen liegt Lexus mit 2,3 Prozent an der Spitze. Dahinter folgen Skoda (1,9 Prozent), Toyota (1,2 Prozent), Mercedes-Benz (1,1 Prozent) und Volkswagen (0,9 Prozent).
So erkennen Sie Tachobetrug
Ein manipulierter Kilometerstand lässt sich meist nicht an einem einzelnen Merkmal erkennen. Entscheidend ist das Gesamtbild. Käufer sollten deshalb Serviceheft, Werkstattrechnungen sowie Hauptuntersuchungsberichte auf Vollständigkeit prüfen und die dokumentierten Kilometerstände vergleichen. Auch Serviceaufkleber im Motorraum oder an der Fahrertür können Hinweise liefern.
Verlassen sollten sich Käufer nicht allein auf den ersten Eindruck oder einen sympathischen Verkäufer. Manipulierte Fahrzeuge wechseln häufig mehrfach den Besitzer. Nicht jeder Verkäufer weiß deshalb, dass der Kilometerstand bereits verändert wurde. Ebenso wichtig ist der Zustand des Fahrzeugs. Starke Gebrauchsspuren an Lenkrad, Pedalen, Teppich, Fahrersitz oder Schaltknauf passen oft nicht zu einer angeblich niedrigen Laufleistung.
