Großteil vermeidbar
Jede achte Krebserkrankung wird durch Infektionen verursacht
01.10.2026 – 15:27 UhrLesedauer: 4 Min.
Fünf Erreger sind ursächlich für fast alle infektionsbedingten Krebsfälle. An der Spitze steht ein Magenkeim, der auch in Deutschland verbreitet ist. Ein Großteil dieser Erkrankungen wäre laut Experten vermeidbar.
Rund 2,3 Millionen neue Krebserkrankungen weltweit werden einer Studie zufolge durch Infektionen mit Viren, Bakterien und Parasiten ausgelöst. Diese Infektionen wären häufig vermeidbar. Das entspricht etwa jeder achten Erkrankung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört. Die Studie wurde kürzlich im Fachjournal „Lancet Oncology“ veröffentlicht.
Das sind die häufigsten Erreger
Für die Studie ermittelten die Forscher den Anteil der neuen Krebsfälle im Jahr 2024, die auf zwölf Erreger zurückzuführen sind. Demnach gehen nahezu alle Krebserkrankungen infektiösen Ursprungs auf fünf Erreger zurück:
- Helicobacter pylori: Das Bakterium ist für etwa 760.000 Fälle und damit den größten Anteil der infektionsbedingten Krebserkrankungen verantwortlich. Ein Befall der Magenschleimhaut mit dem Bakterium zählt zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. In Deutschland trägt etwa jeder dritte Erwachsene den Magenkeim in sich – bei den über 60-Jährigen sogar jeder zweite. Wenn sich die Bakterien dauerhaft in der Magenschleimhaut einnisten, können sie dort eine chronische Entzündung auslösen, die Geschwüre in Magen und Darm verursachen kann. Im schlimmsten Fall kann Helicobacter pylori auch Tumore verursachen. Die genaue Übertragungsweise ist noch ungeklärt, jedoch infizieren sich Menschen vor allem innerhalb der Familie durch engen Kontakt. Wenn eine Infektion in der Familie bekannt wird, ist es daher ratsam, sich selbst auch untersuchen zu lassen, denn eine Infektion ist gut behandelbar. Mehr Informationen zu möglichen Warnzeichen und der Behandlung finden Sie hier.
- Humane Papillomviren (HPV): Diese Gruppe von Viren gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Viren und verursacht der IARC zufolge rund 750.000 Krebsfälle. Laut dem Deutschen Krebsinformationsdienst infiziert sich fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit HPV – die meisten bemerken es nicht. Denn nicht alle Viren lösen Beschwerden aus. Manche verursachen Warzen, andere – sogenannte Hochrisiko-Viren – erhöhen das Risiko für Krebs. Am bekanntesten ist das Zervixkarzinom, also Gebärmutterhalskrebs. HPV können aber auch Krebs im Mund- und Rachenraum, im Analbereich sowie an Penis, Vulva oder Vagina auslösen. Die Impfung ist ein wirksamer Schutz, wird in Deutschland aber immer noch zu wenig genutzt.
- Hepatitis-B-Virus: Die Infektion war der Untersuchung zufolge für etwa 360.000 Fälle verantwortlich. Gefährlich ist eine Infektion vor allem, wenn die Viren dauerhaft im Körper verbleiben (chronische Hepatitis B), weil sie dann eine Leberzirrhose oder Leberkrebs nach sich ziehen kann. Übertragen werden Hepatitis-B-Viren über Körperflüssigkeiten. Daher ist Geschlechtsverkehr mit Abstand der häufigste Infektionsweg.
- Epstein-Barr-Virus: EBV gehört zu den Herpesviren und ist der IARC zufolge für etwa 260.000 Krebserkrankungen verantwortlich. In Deutschland sind mehr als 95 Prozent aller Erwachsenen über 50 Jahren mit dem Virus infiziert, wobei die Erstinfektion meist bereits in der Kindheit stattgefunden hat. Fachleute kennen bis heute nicht im Detail, warum das Virus bei manchen Menschen bösartige Tumore, Autoimmunerkrankungen oder Multiple Sklerose verursacht. Sie vermuten, dass vor allem das Zusammenspiel zwischen dem Epstein-Barr-Virus und dem Abwehrsystem des Körpers dabei eine entscheidende Rolle spielt. Die Studie liefert neue Erkenntnisse über die Rolle des EBV bei der Entstehung verschiedener Krebsarten, darunter das Nasopharynxkarzinom (Krebs des oberen Rachenraums), Lymphome (Lymphdrüsenkrebs) und bestimmte Magenkrebsarten. EBV ist eines der letzten Tumorviren, für das es weder einen präventiven Impfstoff noch eine heilende Behandlung gibt.
- Hepatitis-C-Virus: Das Virus ist für etwa 160.000 Krebserkrankungen verantwortlich. Ähnlich wie bei Hepatitis B wird eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus gefährlich, sobald sie chronisch wird. Dies passiert etwa bei der Hälfte der Infizierten. In der Folge kann es zu Leberkrebs kommen. Hepatitis C wird über infiziertes Blut übertragen. Erhebliche Ansteckungsgefahr besteht daher durch gemeinsam benutztes Spritzbesteck in der Drogenszene. Eine sexuelle Übertragung ist zwar möglich, aber relativ selten. Anzeichen einer Hepatitis bleiben oft lange unbemerkt.
Infektionsbedingte Krebserkrankungen in Asien und Afrika häufig
Die Untersuchung zeigt zudem erhebliche geografische Unterschiede auf: So entfallen 42 Prozent der durch Infektionen verursachten Krebserkrankungen auf Ostasien. Dabei handelt es sich hauptsächlich um durch das Bakterium Helicobacter pylori und das Hepatitis-B-Virus ausgelöste Erkrankungen.
Auch afrikanische Länder südlich der Sahara sind mit 28,5 Prozent der infektionsbedingten Krebserkrankungen stark betroffen, dort treten insbesondere durch das Papillomavirus und für das Kaposi-Sarkom verantwortliche Herpesviren ausgelöste Krebsarten auf.
Prävention fehlt: Die meisten Infektionen wären vermeidbar
Mehr als drei Viertel der weltweit durch Infektionen verursachten Krebserkrankungen betrafen im Jahr 2024 Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, in denen der Zugang zu Prävention und Behandlung ungleich verteilt ist.
Mehrere wissenschaftlich belegte Strategien würden es der IARC zufolge ermöglichen, die meisten durch Infektionen verursachten Krebserkrankungen zu vermeiden. Zu den Maßnahmen zählen etwa Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Behandlungen sowie der Zugang zu Kondomen. Diese Maßnahmen stoßen in vielen Regionen der Welt jedoch auf finanzielle, politische oder mit dem Gesundheitssystem im Zusammenhang stehende Hindernisse.











