Anfang der 1940er in Berlin
Polizisten in Frauenkleidern: Die Jagd nach dem „S-Bahn-Mörder“
28.04.2026 – 16:43 UhrLesedauer: 2 Min.
Zu Beginn der Vierzigerjahre des 20. Jahrhunderts erschüttert eine Reihe bestialischer Morde Berlin. Eine besondere Situation im Zweiten Weltkrieg kommt dem Täter gelegen.
Er kam in der Dunkelheit und tötete insgesamt acht Frauen, sechs verletzte er schwer. Bis heute gilt er als einer der berüchtigtsten Mörder der Berliner Geschichte. Der 1912 geborene Paul Ogorzow arbeitete Ende der Dreißigerjahre bei der Reichsbahn. In den Zügen der S-Bahnen, in denen er auf die Suche nach seinen Opfern ging, erregte er lange Zeit keinen Verdacht. Später erhielt er wegen seines Vorgehens den Namen, unter dem er bis heute im polizeihistorischen Archiv des Landes Berlin bekannt ist: „S-Bahn-Mörder“.
Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs ist in Berlin die sogenannte Verdunklungsverordnung in Kraft getreten. Um sich nicht zum Ziel für Luftangriffe zu machen, durfte ab den Abendstunden nur noch das nötigste Licht die Stadt erhellen. Kriminelle, die oftmals im Schutz der Dunkelheit agieren, hatten plötzlich leichteres Spiel. Doch bis Paul Ogorzow zum Mörder wurde, dauerte es einige Zeit.
Bereits 1938 begann Ogorzow, in Straßen und Gartenkolonien in der Nähe des S-Bahnhofs Rummelsburg Frauen zu belästigen. Zum Mörder wurde er erst zwei Jahre später. Zwischen 1940 und 1941 war er oft auf der S-Bahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Rummelsburg und Erkner unterwegs. In den Waggons saßen oftmals einzelne Frauen, die im Schichtdienst die Kriegswirtschaft am Laufen halten mussten, während ihre Männer an der Front kämpften.
Ogorzows Vorgehen folgte einem Muster. Er fragte die Frauen nach ihrer Fahrkarte. Dann schlug er sie mit einem Bleikabel nieder und verging sich an ihnen. Schließlich warf er sie aus der fahrenden Bahn. Er vergewaltigte und tötete auch in einer nahen Gartenkolonie. Nicht jeder Mordversuch gelang. Lange Zeit hatte die Polizei Probleme, Ogorzow als Täter zu identifizieren.
Das Protokoll der Ermittler, das heute im polizeihistorischen Archiv des Landes Berlin liegt, ist Zeugnis der Fahndung nach dem Gesuchten. Wörtlich heißt es darin: „An dieser Großfahndung waren beteiligt: Beamte der Mordkommission Eisenbahnüberwachungsbeamte, ein Sonderkommando bestehend aus 1 Kommissar und 20 Mann 100 Kriminalbeamte 10 Angehörige der weiblichen Kriminalpolizei.“ [sic!]
Die Ermittler setzten sogar Polizeibeamte in Frauenkleidern als Köder ein, um Ogorzow auf die Schliche zu kommen. Doch keine der Maßnahmen brachte den gewünschten Erfolg. Der entscheidende Hinweis kam erst durch einen verdeckten Ermittler der Kriminalpolizei. Zunächst leugnete Ogorzow die Vorwürfe, gestand dann aber: Seine Taten hätten der Befriedigung seines Sexualtriebs gedient.
Im Sommer 1941 wurde Paul Ogorzow festgenommen und zum Tode verurteilt. Bereits am Tag nach seiner Verurteilung wurde er im Strafgefängnis Plötzensee hingerichtet.











