CSU-Parteitag
Die große Ilse-Aigner-Show
Aktualisiert am 24.10.2026 – 14:35 UhrLesedauer: 4 Min.
Küsschen rechts, Küsschen links: So begrüßt der Kanzler Ilse Aigner – woraufhin der CSU-Parteitag in Jubel ausbricht. Zur P-Frage kommt aber dann: nichts.
Der Kanzler sorgt letztlich für den emotionalsten und möglicherweise entscheidenden Moment dieses CSU-Parteitags. Ganz zu Beginn seiner Rede begrüßt Friedrich Merz direkt nach CSU-Chef Markus Söder, quasi in einem Atemzug, Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner, noch vor dem Chef der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber. Die Delegierten brechen daraufhin in Applaus und Jubel aus und erheben sich von ihren Plätzen. Aigner, die in der ersten Reihe sitzt, steht ebenfalls auf und winkt mit beiden Händen in die Parteitagshalle in München, sie strahlt.
Es ist keine beliebige Begrüßung. Aigner ist die Wunschkandidatin der CSU für das Bundespräsidentenamt. Söder hätte sie gerne, ihre Partei steht fast geschlossen hinter ihr, Aigner bekommt Zuspruch auch von SPD und Grünen. Nur wen die CDU und Merz wollen, ist bislang unklar. Deshalb fällt so auf, dass Merz Aigner, anders als auf den CSU-Parteitagen 2024 und 2025, namentlich und gleich so prominent an zweiter Stelle nennt.
Küsschen für Aigner
Die Erwartungen der CSU-Delegierten an Merz sind hoch. Alle Augen und Kameras richten sich beim Parteitag darauf, wie der Kanzler mit Aigner umgeht, ob er etwas zur P-Frage sagt, und was. Und natürlich wird deshalb genau notiert, wie Merz Aigner bei seinem Einzug in die Halle und auf dem Weg Richtung Bühne begrüßt – mit Wangenküsschen rechts und links.
Die P-Frage, wer Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nächstes Jahr nachfolgt, ist die alles überragende Frage dieses CSU-Parteitags. Deshalb wird das Delegiertentreffen letztlich zu einer Art Ilse-Aigner-Show. Auch wenn die 61-Jährige nicht ein einziges Mal das Wort ergreift, auch wenn sie öffentlich quasi gar nichts sagt – außer, dass sie sich über den großen Rückhalt freue, und dass die Entscheidung bei den Parteichefs liege.

Söder wirbt für Aigner
Schon Söders 73-Minuten-Rede, in der er ansonsten vor allem zum gemeinsamen Kampf gegen Extremisten von links und rechts aufruft, steuerte auf diesen Höhepunkt zu: das neuerliche Werben für Aigner als nächste Bundespräsidentin. Mit einem Freudschen Versprecher: „Die Entscheidung wird woanders gefällt, aber ich würde mir es von Herzen gönnen, wenn Ilse Aigner nächste Bundespräsidentin werden würde. Das wäre eine tolle Sache“, sagte er. „Mir wünschen und ihr gönnen“, wollte er eigentlich sagen. Auf Instagram korrigierte Söder den Satz später noch.
Aber was steckt hinter Söders Werben? Setzt er sich wirklich aus vollem Herzen für seine Parteifreundin ein? Und welche Rolle spielt bei der P-Frage immer auch die K-Frage? Konkret: Würde sich Söder, wenn eine CSU-Politikerin Bundespräsidentin wird, nicht selbst die allerletzte Restchance verbauen, am Ende irgendwann doch noch ins Kanzleramt einzuziehen? Oder, genau andersherum und mit Blick auf Bayern argumentiert: Müsste Söder nicht froh sein, Aigner zu Hause als Konkurrentin quasi loszuhaben?












