„Walstürze sind für Aasfresser der Tiefsee wie ein Jackpot, da sie eine wichtige und dauerhafte Nahrungsquelle in einem Ökosystem darstellen, in dem Nahrung knapp ist“, schreiben die Wissenschaftler von der „National Marine Sanctuary Foundation“.
Der Walsturz – der Jackpot fürs Ökosystem
Ein solcher Walsturz verläuft in mehreren Phasen, in denen unterschiedliche Lebewesen den Kadaver besiedeln. Zunächst fressen Aasfresser wie Haie, Schleimaale und Krebse das Weichgewebe. Diese Phase kann sich über Monate ziehen.
Anschließend nutzen spezialisierte Organismen die verbleibenden Knochen und das umliegende Sediment als Lebensraum. Dieser Abschnitt dauert mehrere Monate bis Jahre. In einer letzten Phase bauen Bakterien die fetthaltigen Bestandteile in den Knochen ab. Dabei entstehen Schwefelverbindungen, die wiederum anderen Arten als Energiequelle dienen.
Auf diese Weise kann ein toter Wal über Jahre hinweg Leben ermöglichen – selbst dann noch, wenn von seinem Körper kaum mehr als das Skelett übrig ist. So traurig der Tod eines Wals für Menschen ist – für andere Lebensgemeinschaften stellt er eine neue Chance dar und trägt zur Gesundheit der Ozeane bei.
Experten rechnen nicht mit Überleben von Wal Timmy
Unabhängig von seinem aktuellen Zustand war die Aktion zur Freilassung des Wals von Beginn an umstritten. Die Bergung wurde entgegen den Empfehlungen zahlreicher Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen durchgeführt.
Thilo Maack von der Umweltschutzorganisation Greenpeace erklärte, die Überlebenschance sei als äußerst gering eingeschätzt worden. Dass Timmy mehrfach gestrandet sei, werde als Hinweis gewertet, dass er bereits krank gewesen sei, als er die deutsche Küste erreichte. Zudem gehen Experten davon aus, dass das Tier stark geschwächt war. Auch andere Experten rechneten für Wal Timmy keine langfristigen Überlebenschancen aus.
Wildtiermedizinerin Kerstin Alexandra Dörnath erklärte im Gespräch mit t-online: „Ein Buckelwal, der über seine vollen Kräfte verfügt, würde sich niemals ohne massive Gegenwehr verladen lassen. Ein gesunder Buckelwal – ein Tier, das von Natur aus ein kinetisches Kraftpaket ist und durch Dynamik und enorme Körperkraft besticht – müsste für ein Verladen und einen Transport unter starke Sedativa gestellt werden. Dass sich dieser Wal mittels Gurten ‚verladen‘ ließ, beweist nur, dass er bereits hochgradig moribund ist – sich also im Sterben befindet.“ Dass Wal Timmy den Transport in die Nordsee überleben würde, hielt Dörnath in der vergangenen Woche für nahezu ausgeschlossen. „Entweder wird er noch während des Transports verenden oder unmittelbar danach“, erklärte sie.












