Walexperte wirft „Rettern“ Tierquälerei vor
Timmy vor Obduktion: „Dafür würde man ins Gefängnis kommen“
Aktualisiert am 28.05.2026 – 13:41 UhrLesedauer: 3 Min.
Timmys Kadaver soll jetzt direkt am Strand zerlegt werden. Ein beteiligter Walforscher spricht über Gefahren – und prangert Tierquälerei an.
Der Kadaver des als Timmy bekannten Buckelwals bleibt nun doch auf der dänischen Insel Anholt und wird direkt am Strand obduziert. Dort liegt das Tier seit rund zwei Wochen im flachen Wasser. „Der Wal wird im Laufe dieses Wochenendes an Land gezogen“, teilte Jane Hansen von der dänischen Umweltbehörde mit. Obduktion, wissenschaftliche Untersuchungen und Entsorgung des Kadavers sollen demnach Ende kommender Woche stattfinden.
Beteiligt an der Aktion wird auch der dänische Meeresbiologe Peter Teglberg Madsen sein. Die anstehende Obduktion sei anstrengende Handarbeit, sagte er dem „Spiegel“. Sie werde fünf bis sechs Stunden dauern: „Der Gestank ist überwältigend“, erklärte Teglberg Madsen. Zudem bestehe die Gefahr einer Explosion: „Dabei fliegen dann kiloschwere Fleischbrocken durch die Luft, die können dich töten.“ Deshalb solle der Kadaver am Anfang mit einem scharfen Sektionsmesser an einem langen Stiel entgast werden. Das sei Übungssache, „wie eine Bombe zu entschärfen“.
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Experte glaubt: Der Wal ist ertrunken oder erstickt
Bei der Obduktion sollen Proben von allen Organen entnommen und dann im Labor auf Krankheiten untersucht werden. Anhand der DNA-Analyse soll festgestellt werden, zu welcher Buckelwal-Population im Atlantik der Wal gehörte. Die Fachleute nehmen Parasitenbefall an, dieser sei bei Wildtieren üblich. Zudem gehe er von einem leeren Magen aus, sagte Teglberg Madsen dem „Spiegel“ weiter – „bis auf möglicherweise Plastik und Fischernetze, da der Wal auf Fotos eher dünn aussah“. Wahrscheinlich sei das Tier ertrunken oder erstickt, dies werde die Obduktion der Lungen zeigen.

Den selbsternannten Rettern des Wals machte der Biologe unterdessen schwere Vorwürfe. Bei der Freilassung sei ein „offensichtlich kranker und geschwächter Wal ins Meer geworfen“ worden, der sich vermutlich im flachen Wasser ausruhen wollte. Wenn ein Wal mehrmals strande, sei er in der Regel schwer krank. Dieser Wal sei dem Tod geweiht gewesen.
Walexperte: „Dafür würde man ins Gefängnis kommen“
„Was dann geschah, da möchte ich ehrlich sein, war Tierquälerei“, sagte Teglberg Madsen dem „Spiegel“. „Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Menschen auf dem Sterbebett, der sich schon von seinen Verwandten verabschiedet hat, packen, in eine Schubkarre schmeißen, zwei Tage durch die Gegend fahren, im Wald abladen und jubelnd rufen: Du bist frei. Dafür würde man vermutlich ins Gefängnis kommen. Das ist hier passiert. Es war unverantwortlich.“












