Impfstoffhersteller unter Druck

Interner Streit bei Biontech eskaliert


03.11.2026 – 19:33 UhrLesedauer: 2 Min.

Biontech-Logo: Das in der Corona-Pandemie berühmt gewordene Unternehmen steckt im Umbruch – die Unzufriedenheit vieler Mitarbeiter ist offenbar groß. (Quelle: Boris Roessler/dpa/dpa-bilder)

Werke schließen, die Gründer gehen, die Belegschaft bangt um ihre Zukunft. Nun erheben die Arbeitnehmervertreter schwere Vorwürfe gegen die Biontech-Führung.

Der Betriebsrat von Biontech hat in einem Brief an den Vorstand den Umgang mit den Beschäftigten scharf kritisiert. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, ging das Schreiben am Montagabend an die Unternehmensführung. Darin ist von konkreten Meldungen zu Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und Drohungen die Rede. Der Betriebsrat sei „erschüttert“ von Berichten über eine „toxische Arbeitsplatzsituation und eklatantes Verhalten“.

Das Mainzer Unternehmen wurde in der Corona-Pandemie weltbekannt. Gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer erhielt Biontech die erste Marktzulassung für einen Covid-19-Impfstoff und verdiente damit Milliarden. Der Aktienkurs verzehnfachte sich, der Börsenwert lag zeitweise bei mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Doch die Nachfrage nach dem Impfstoff sinkt seit Jahren, ein weiteres zugelassenes Medikament hat Biontech bis heute nicht. Jetzt kommen große Veränderungen auf das Unternehmen zu.

Beschäftigte fühlen sich alleingelassen

Laut dem Brief berichten Mitarbeiter von Zukunfts- und Arbeitsplatzängsten. Viele hätten das Gefühl, mit ihren Sorgen allein zu sein und den Veränderungen hilflos gegenüberzustehen. Einige trauten sich nicht, Vorfälle zu melden. Zudem beklagt der Betriebsrat einen „Stillstand bei Entscheidungen“.

Auf Fragen bekämen Mitarbeiter von Führungskräften oft die Antwort, man müsse „auf Guido warten“. Gemeint ist Guido Oelkers, der spätestens zum 1. Februar 2027 neuer Vorstandschef wird. Auf einer Mitarbeiterversammlung am Dienstag wurde laut „Handelsblatt“ zudem kritisiert, der Vorstand habe keine Strategie. Der Betriebsrat fordert vertrauliche Anlaufstellen für Betroffene und eine transparentere Kommunikation über den Umbau des Unternehmens.

Biontech erklärte, man nehme die Vorwürfe sehr ernst und toleriere weder Diskriminierung noch Sexismus, Rassismus oder Drohungen. Es sei jedoch wichtig, „Gerüchte einiger von gesicherten Fakten zu unterscheiden“. Von einem Stillstand im operativen Geschäft könne keine Rede sein. In den ersten neun Monaten des Jahres habe das Unternehmen 15 klinische Meilensteine in der Wirkstoffentwicklung erreicht.

Spätestens Ende des Jahres werden die Biontech-Mitbegründer Uğur Şahin (l.) und Özlem Türeci das Unternehmen verlassen. (Archivfoto) (Quelle: Sebastian Christoph Gollnow/dpa/dpa-bilder)

Aufteilung mit Gründerfirma weiter offen

Biontech steckt mitten in einer Neuordnung. Bis Ende 2028 schließt das Unternehmen die Standorte Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein, rund 1.800 Beschäftigte verlieren ihre Jobs. Im dritten Quartal erzielte Biontech zwar einen Gewinn von 184,5 Millionen Euro, nach neun Monaten steht jedoch ein Verlust von 1,17 Milliarden Euro.

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