Angst vor Massensterben
Hunderte Arten in Gefahr – Australien impft Pinguine
Aktualisiert am 13.08.2026 – 03:16 UhrLesedauer: 4 Min.

Die H5-Vogelgrippe erreicht Australien und bedroht Hunderte heimische Arten. Die Regierung setzt nun auf eine außergewöhnliche Schutzmaßnahme.
Australien war der letzte Kontinent, der von der Seuche verschont blieb. Nun gelten Hunderte einheimische Tierarten als gefährdet. Seit Juni grassiert die H5-Vogelgrippe auch auf dem australischen Festland. Inzwischen wurden mehr als 230 Infektionsfälle in mehreren Bundesstaaten nachgewiesen – zuletzt im südlichen Tasmanien.
Die Geflügelpest ist eine Infektionskrankheit, die in den vergangenen Jahren in Europa und anderen Kontinenten Millionen Tierleben gefordert hat. Eingeschleppt in Betriebe kann sie große wirtschaftliche Schäden verursachen. Ist ein Bestand befallen, müssen alle Tiere dort getötet werden. In Australien ist jedoch vor allem die Sorge um die einheimischen Vogel- und Säugetierarten groß. Rund 45 Prozent der Vögel im Land sind endemisch, das heißt, es gibt sie nirgendwo anders auf der Welt.
Ministerium rechnet mit Massensterben im ganzen Land
Das Land schreitet jetzt mit einer drastischen Maßnahme voran: Es rollt eine Impfung für besonders gefährdete Vögel aus. Das teilte die Regierung in Canberra am vergangenen Dienstag mit. Die Kampagne werde in den „kommenden Tagen und Wochen“ beginnen. Der Schwerpunkt läge zunächst auf Tierarten in Gefangenschaft, so Landwirtschaftsministerin Julie Collins.
Die Arten, die die Impfung zuerst erhalten sollen, werden Collins zufolge nach zwei Kriterien ausgewählt: anhand ihrer Anfälligkeit für die Vogelgrippe und der potenziellen Auswirkungen auf den Artenschutz. „Die Australier müssen mit einer stärkeren Ausbreitung und größeren Fallzahlen rechnen, insbesondere mit toten Vögeln und Massensterben im ganzen Land aufgrund der H5-Vogelgrippe“, so Collins. Die Regierung versuche aber, „Maßnahmen zu ergreifen, um die am stärksten gefährdeten Arten zu schützen“. Bislang stehen Impfstoffe im Wert von zwei Millionen australischen Dollar zu Verfügung – rund 1.500 Ampullen, die unter den Staaten und Territorien aufgeteilt werden.
Auch Meeressäuger und Beuteltiere gefährdet
Anfang dieses Monats hatte die Regierung eine Analyse veröffentlicht, in der das Risiko einer Vogelgrippeinfektion für mehr als 2.000 Tierarten bewertet wurde. Fast 400 einheimische australische Vogel- und Säugetierarten sind demnach einem hohen Risiko durch das tödliche Virus ausgesetzt. Darunter gelten Pinguinarten, Pelzrobben, Quolls, Delfine, mehr als 300 Vogelarten und der Tasmanische Teufel als mindestens stark gefährdet. Fünf Arten gelten als extrem gefährdet, was bedeutet, dass sie dort, wo das Virus vorkommt, wahrscheinlich nicht überleben werden.
Professor John Woinarski, ein führender Naturschutzwissenschaftler an der Charles Darwin University, sagte, die Ergebnisse zeichneten ein düstereres Bild ab. „Wir werden mit gravierenden Folgen für viele Arten rechnen müssen“, so der Professor zum „Guardian“. Die Vielfalt von Vögeln und Säugetieren werde durch das Virus voraussichtlich erheblich beeinträchtigt werden.













