AstraZeneca-Manager Niko Andre warnt: Wenn Deutschland bei Medikamenten zu stark auf Sparen setzt, könnten Forschung und Versorgungssicherheit leiden. Seine Botschaft: Spitzenmedizin gibt es nicht zum Spartarif.
Deutschland will sparen – und könnte am Ende mehr verlieren als Geld. Die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung löst in der Pharmabranche erhebliche Besorgnis aus. Mehrere internationale Konzerne stellen Investitionen infrage. Der Vorwurf der Krankenkassen an den Pharmafirmen hingegen lautet: Erpressung.
Doch Niko Andre sieht mehr auf dem Spiel als Unternehmensgewinne. Im Gespräch mit t-online warnt der Chef der Krebsforschung beim Pharmakonzern AstraZeneca Deutschland vor einem Verlust deutscher Souveränität, vor weniger Forschung in Europa und vor einer schlechteren Versorgung mit innovativen Medikamenten.
Seine Kernbotschaft: Wer Spitzenmedizin will, darf die Pharmaindustrie nicht nur als Kostentreiber behandeln.
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t-online: Herr Andre, die Gesundheitsreform der Bundesregierung beunruhigt die Pharmabranche. Mehrere Großkonzerne, darunter Boehringer Ingelheim und Eli Lilly, haben angekündigt, Investitionen zu stoppen oder zurückzufahren. Plant AstraZeneca einen ähnlichen Schritt?
Niko Andre: Wir brauchen hier zunächst eine Versachlichung der Debatte. Es geht nicht um einzelne Drohungen oder kurzfristige Reflexe. Es geht um die Frage, welche Grundbedingungen eine Industrie braucht, die enorme Summen in Forschung investiert und dabei ein hohes Risiko trägt. Wenn an den Stellschrauben dieses Systems gedreht wird, dann hat das Konsequenzen.
Welche hätte denn diese Gesundheitsreform für die Pharmaindustrie?
Diese Reform darf man nicht isoliert sehen. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren wichtige Initiativen auf den Weg gebracht. Gleichzeitig werden zwei Debatten vermischt, die eigentlich getrennt geführt werden müssten: Auf der einen Seite steht die Frage, wie Deutschland ein Innovations- und Wachstumsstandort bleibt. Auf der anderen Seite steht die Frage, wie ein unter Kostendruck stehendes Gesundheitssystem finanziert wird. Wenn man diese beiden Debatten vermischt, dann wird es gefährlich.
Weil dann kurzfristige Einsparungen langfristige Standortentscheidungen beschädigen können. Wir müssen klar sagen: Eine starke, hochinnovative Pharmaindustrie ist in der heutigen geopolitischen Lage eine strategische Notwendigkeit. Die innovative Pharmaindustrie muss als strategische Industrie gesehen werden. Ich glaube, dass die Bundesregierung das grundsätzlich auch so sieht.
Dieses Verständnis muss sich dann auch in konkreten Rahmenbedingungen niederschlagen. Sonst bleibt es bei einem politischen Bekenntnis.
Das klingt noch immer recht diplomatisch. Droht AstraZeneca nun mit einem Investitionsstopp in Deutschland oder nicht?
Ich glaube nicht, dass diese Frage allein an der Gesundheitsreform hängt. Aber natürlich fließen solche Rahmenbedingungen in Investitionsentscheidungen ein. Wir sind ein globales Unternehmen und prüfen weltweit, wo Investitionen langfristig sinnvoll sind. Deutschland ist dabei ein wichtiger Markt, aber eben ein Markt unter vielen.











